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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 9 · p. 543

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 9
Article
Die ökonomische Lage der Juden in der Ukraine und ihre Perspektiven
Date
1921-01-01
Page
543 (sequence 20)
Language
German
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Die ökonomische Lage der Juden in der Ukraine und ihre Perspektiven Die Räteregierung. ist außerstande, einen so bedeutenden Landstrich zu bewalden und sie würde nötigenfalls' einen Teil davon für jüdische Kolonisationszwecke abgeben. Ein diesbezüglicher Vorschlag wurde sogar schon dem Vorsitzenden des Odessaer „ORT" von Seite des Distrikts gemacht und zwar nicht für ständig, sondern nur für einen langjährigen Termin. Es ist von großer Wichtigkeit, mit diesen Ziffern die Größe des minderen Bodens im Odessaer Gouvernement zu vergleichen. Er beträgt laut dem Bericht der Odessaer Gouvernement-Bodenabteilung vom 30. Juni 1921 im Distrikt: Odessa 28888 Balta 18189 Wosnjesensk 15146 Perwomaisk 28384 Tiraspol_17633 Zusammen 108240 Desjatin. Ein bedeutender Teil dieser großen Fläche besteht aus Boden, der ohne weitere Melioration für Weinkultur verwendbar ist. Bei nicht allzu großen Meliorationskosten kann sogar der größte Teil dieser Fläche in Boden verwandelt werden, der nicht allein zur Feldwirtschaft, sondern auch zur intensiven Kultur taugt. Die landwirtschaftlichen Möglichkeiten für die jüdischen Massen des Odessaer Gouvernements sind also bedeutend. Und doch können sie kaum verglichen werden mit denen anderer Gebiete. Im Rayon der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation — im Chersoner, Nikolajewer Distrikt und im Süden des ehemaligen Jekaterinoslawer Gouvernements — ist die Bodenreserve viel größer und besonders groß ist sie im Werchni-Dnjeprower, Perekoper Distrikt und in der Krim. In der Südukraine müssen wir alle diese Möglichkeiten nur einfach ausnützen. Es werden sich gewiß Skeptiker finden, die die Agrarisierungsnotwendigkeit und die Strömung innerhalb der jüdischen Massen, die zu ihr führt, bezweifeln. Für sie besteht nur die Möglichkeit, sich mit dem hartnäckigen Kampf bekannt zu machen, den die Juden von Halowoniewsk, Halosioweska, Jusefpol, Kriwo-Osera, Ribnizi und an vielen anderen Orten mit den lokalen Machthabern und,mit der bäuerlichen Bevölkerung führen, um ihr Recht auf Bodenanteile zu erhalten. Dieser Kampf, der zu vielen Reibungen zwischen der jüdischen und der bäuerlichen Masse führt, entsteht dadurch, daß die inventarlose jüdische Bevölkerung, die keine Mittel hat und von der jüdischen Gesellschaft nicht unterstützt wird, nur dann zur Landwirtschaft übergehen kann, wenn -ihr Bodenanteil sich in unmittelbarer Nähe ihres Wohnsitzes befindet, hart an der Peripherie der Städte, wo der freie Boden natürlich begrenzt ist. Gebt dieser jüdischen Masse auch nur die kleinste materielle Möglichkeit, weiter abgelegene Böden zu bearbeiten oder gar in jene Gegenden zu übersiedeln, wo die Bodenreserve größer ist, und die Agrarfrage ist für diese jüdischen Massen augenblicklich gelöst!

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