Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die ökonomische Lage der Juden in der Ukraine und ihre Perspektiven
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 534 (sequence 11)
- Language
- German
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534 Benzion Rubsteln: Die ökonomische Struktur der jüdischen Kleinstadtbevölkerung — die Dörfer, besonders in der Ukraine, haben die Judenfrage schon endgültig gelöst — ist eine davon sehr verschiedene. Hier spielt der jüdische Lohnarbeiter eine sehr kleine Rolle. Auch die freien Berufe und die Räteangestellten sind schwach vertreten. Die jüdische Bevölkerung besteht zum größten Teil aus Händlern und Handwerkern. Deren Lage wurde durch die bereits oben angeführten Ursachen verschlimmert. Aber die Räteregierung hat auf der anderen Seite für sie eine neue ökonomische Grundlage durch die Eröffnung der Landwirtschaft geschaffen. Es ist hier nicht der Ort, diese sehr interessante Entwicklung breit zu verfolgen; wir haben auch keine genauen statistischen Untersuchungen über diese Frage. Ich will mich daher begnügen, einige briefliche Nachrichten — natürlich keine genauen — über den Übergang der jüdischen Bevölkerung der Kleinstädte zur Landwirtschaft, sei sie Haupt- oder Nebenberuf, zu bringen. Kpchanow (Gouv. Mohiiew). Ungefähr 120 jüdische Familien; Landwirtschaft treiben davon 90. Ihre Grundstücke sind sehr klein, von 1 bis 4Va Dessjatin. Kopis (Gouv. Mohiiew). Ungefähr 225—250 jüdische Familien; Landwirtschaft treiben ungefähr 160, Ihre Grundstücke von 1—4 Dessjatin. H o r k i (Gouv. Hornel). Ungefähr 6—700 jüdische Familien; von ihnen treiben 35% Landwirtschaft. Ihre Grundstücke von 1—6 Dessjatin, im Durchschnitt 2 1/i D. pro Familie. ^. Staroselzi. 50—60 jüdische Familien; Landwirtschaft treiben 35. Oboliz. Ungefähr 70—80 jüdische Familien; fast alle treiben Landwirtschaft. Bichow (Gouv. Hornel). 400—500 jüdische Familien; etwa 30% der ganzen jüdischen Bevölkerung treibt Landwirtschaft. Damaniowka (Gouv. Odessa). 350 jüdische Familien; davon treiben 88 Landwirtschaft. Mostawoje (Gouv. Odessa). Ungefähr 150 jüdische Familien; davon treiben 49 Landwirtschaft. Gross oTo w a (Gouv. Odessa). Ungefähr 100 jüdische Familien; davon treiben 35 Landwirtschaft. Petrowerowka(Gouv. Odessa). Ungefähr 300 jüd. Familien, davon treiben ca. 200 Landwirtschaft. Rubniza (Gouv. Odessa). Ungefähr 200 jüdische Familien treiben Landwirtschaft, etwa aA der jüdischen Bevölkerung. Jusefpol (Gouv. Odessa). Landwirtschaft treiben 77 Familien, der größere Teü der jüdischen Bevölkerung. Das sind natürlich nicht die einzigen Städtchen, wo die jüdische Bevölkerung in einem bedeutenden Maße zur Landwirtschaft übergegangen ist. Wir können diese Beispiele um eine große Zahl vermehren. Mit echt jüdischer Zähigkeit und staunenswerter Energie haben die kleinstädtischen Juden die landwirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich ihnen boten, ausgenützt,