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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 454

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Aus der Vorgeschichte des Zionismus
Date
1921-01-01
Page
454 (sequence 8)
Language
German
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4S4 Umschau: Geschichte Die nach Ankauf des Landstückes und des für dasselbe nötigen Inventars noch Übrigbleibenden 20 Proz. der durch die Sammlung erzielten Summe werden in zwei Hälften geteilt: die eine Hälfte fällt dem unangreiibaren Fonds des Vereins zu; die andere wird zur Deckung etwaiger Rückstände in den Ratenzahlungen des Ansiedlers und zur Bestreitung anderer unvorhergesehener Ausgaben aufbewahrt". In der Zeit vom 6. bis zum 11. November 1884 (18. — 23. Cheschwan) wurde die Konferenz abgehalten. Die Anteilnahme der jüdischen Welt war gering, nur wenige Begrüßungen waren eingelaufen. Der Kattowitzer Rabbiner Dr. Cohn hatte „aus bestimmten Gründen" abgesagt. Auf die Verhandlungen kann nicht näher eingegangen werden. Alles ergibt sich aus dem Protokoll und leann dort nachgelesen werden. Von den Beschlüssen seien hervorgehoben: Bewilligung von Summen für die Bilu, Gründung der Montefiore-Stiftung (Maskeret Mosche), Erstrebung der Anerkennung des Verbandes durch die russische Regierung, neue Verhandlungen mit der Pforte, Entsendung eines Delegierten nach Konstantinopei und Palästina, Errichtung von zwei Zentren, eines in Warschau (Vorsitzender: Jasinowski, Sekretär: Rabinowitz), und eines in Odessa (Vorsitzender: Dr. Pinsker, Sekretär: Lilienblum), Wahl eines Zentralkomitees von 18 Mitgliedern, möglichst mit dem Sitz in Berlin. Einen unmittelbaren Erfolg hatte die Konferenz weder in Rußland noch in Westeuropa. Die Situation blieb nach wie vor nach allen Richtungen prekär und ungeklärt. In Palästina waren wesentliche Fortschritte nicht zu verzeichnen. Die Kolonisation hing wie ehedem in der Luft, und der Jerusalemer Pascha, der besonders auf die Aschkenasim übel zu sprechen war, durfte nach Belieben schalten. Was nützte aller Heroismus der Kolonisten, wenn man immerzu vor der sehr realen Tatsache stand, daß mit den in Kattowitz präliminierten Geldern sich absolut nichts anfangen ließ? Zwar hatte Rothschild noch vpr der Konferenz 30000 Frcs. einmalig gesandt und später die Subvention wiederholt erhöht, bis am Ende der 80 er Jahre fast alle Kolonien unter seinem Protektorate standen. Aber nicht das war der Weg zur Lösung des Problems. Mannigfache Pläne schwirrten in der Luft über eine Aenderung und Hebung der Kolonisation, aber schließlich blieb alles beim alten. Nicht nur die materiellen Verhältnisse, auch die inneren Beziehungen unter den palästinensischen Juden waren nichts weniger als befriedigend. Der Gegensatz zwischen Sephardim und Aschkenasim, der sich sogar in der grotesk anmutenden Forderung, daß man aus Rußland nach Palästina die offiziellen Briefe nicht in der hebräischen Kursivsondern in Raschlschrift schreiben sollte, geltend machte, die Klagen der Orthodoxie über Mißachtung des Religionsgesetzes seitens der Kolonisten und mannigfache andere Differenzen vergifteten die palästinensische Atmosphäre bis zur Unerträglichkeit, Die Tätigkeit des palästinensischen Aktionskomitees der Chowewe-Zion mit A. Muy al und später S. Hirsch an der Spitze war von geringer Fruchtbarkeit, urfd auch M. Pines in Jerusalem, der unermüdlich Tag und Nacht um die Verbesserung der Lage bemüht war, konnte keine wesentliche Aenderung herbeiführen. Die Gesinnung der Kolonisten war meist sehr egoistisch, sie verfolgten nur ihre eigenen Vorteile und zeigten einen erschreckenden Mangel an Gemeinsinn. Bei der Verschiedenheit der oft in einer Kolonie zusammengekoppelten Elemente war ein gegenseitiges Verständnis nicht möglich. Auch in Rußland blieben die Widerstände gegen die zu lösenden Probleme sehr groß. Wohl nahm die Zahl der Vereine in Rußland und in anderen Ländern zu, aber bis zum Jahre 1886 waren im Montefioreverband in allen Ländern nicht mehr als 1400 Mitglieder organisiert, die jährlich etwa 50000 Rbl. aufbrachten. Der Biiderverkauf hatte keinen erheblichen Ertrag gebracht, von Gemeinden hatte sich nur Odessa mit einem nennenswerten Beitrag (4000 Rbl.) beteiligt, und darum schlug Pinsker vor, an Stelle der besonderen Montefiorekolonie Gederah auszubauen und diese Kolonie auf den Namen Montefiores umzubenennen. Eine neue Enttäuschung bedeutete das Testament Montefiores, der für die Chowewe- Zion keinen Groschen hinterlassen, sondern nur die Armen Palästinas mit 30000 Pfund bedacht hatte. Pinsker versuchte, bei dem Testamentsvollstrecker dieses Geld für den Montefioreverband, beziehungsweise die Kolonisation zu retten, mit der Begründung, daß, falls Montefiore sein Testament in der Vollkraft seiner Jahre errichtet hätte, sicherlich auch der neue Jischub nicht leer ausgegangen wäre. Immer mehr geriet das Werk der Chowewe-Zion in philanthropische Bahnen. Und man begreift, daß Pinsker, dessen Gesundheitszustand ständig schwächer wurde, mit starken Zweifeln der Zukunft entgegensah. Angesichts der Stagnation der ganzen Bewegung hielt Pinsker, der zwar seine ganze Kraft der Palästinakolonisation widmete, es damals doch noch nicht für möglich, die Frage, ob die Wahl Palästinas richtig sei, autoritativ zuentscheiden. Als Tschlenow, damals noch S'tudent in Moskau und Vorsitzender der „Bne-Zion", ihn dazu anregte, die „Autoemanzipation" mit einem Schluß im Sinne der Palästinaidee in neuer russischer Uebersetzung evtl; in der im „Rasswjet erschienenen Uebersetzung von F 1 e X e r

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