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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 452

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Aus der Vorgeschichte des Zionismus
Date
1921-01-01
Page
452 (sequence 6)
Language
German
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45* Umschau i" Geschichte thropischer Basis zu organisierenden Emigrationsgeseilschaft, deren Statuten als Konzession an die Gesinnung aller maßgebenden beteiligten jüdischen Kreise ein ausdrückliches Verbot der Aufforderung zur Auswanderung enthalten sollten, gekommen. Doch er fand fast überall taube Ohren. Wohl konnten einige Persönlichkeiten zu einer Besprechung zusammenberufen werden, aber Baron Günzburg erschien niemals selbst, sondern Heß sich „durch seine Lohndiener** vertreten. In Moskau hatte Mohilewer größere Erfolge, aber Überall wirkten die.Nachrichten über die ungünstige Lage der Kolonien und das Einwanderungsverbot lähmend. Im Gegensatz zu den rührigen Warschauer Chowewe-Zion, die unentwegt optimistisch in die Zukunft sahen und in der Wandlung des Organs der Assimilanten, des „Izraelita", welches der Kolonisation Palästinas freundlicher als früher gegenüberstand, ein'glückverheißendes Symptom sahen, blieb Lewanda pessimistisch und beharrte bei der Meinung, daß man bald das ganze Kolonisationswerk liquidieren werde müssen, die beabsichtigte Ehrung Montefiores auf eine Komödie hinauslaufen werde, die Kattowitzer Konferenz nichts als schöne Reden bringen könnte, und es daher besser wäre, in Jerusalem eine Zusammenkunft zu veranstalten. Auch die Stimmung unter den Büu war nichts weniger als rosig, Angesichts der schwankenden Haltung der jüdischen Oeffentlichkeit, insbesondere ihrer maßgebenden Faktoren, gewann die Meinung der Warschauer Zionisten die Oberhand, daß man möglichst auf eigene Faust handeln und sich nicht auf die andern allzusehr verlassen dürfe. Von diesen Warschauer Zionisten, insbesondere von Rabino- "witz, ging denn auch die Idee aus, anläßlich des 100. Geburtstages Montefiores sein Bildnis mit einer von dem Dichter J. L. Gordon verfaßten Widmung in vielen tausend Exemplaren zu verkaufen, um so einerseits die Namen der Anhänger der Bewegung bezw. der mit ihr Sympathisierenden festzustellen, anderseits die Mittel für die auf den Namen Montefiores zu gründende Kolonie zu erhalten. Nach langwierigen, durch allerlei Zwischenfälle dramatisch gesteigerten Verhandlungen kam die Zustimmung Montefiores zum Empfang eines Delegierten ein, der im Namen der Chowewe-Zion ihm ein Album mit den Adressen der Vereine überbringen und sein Einverständnis zur Errichtung der auf seinen Namen lautenden lautenden Kolonie erhalten sollte. In den Mitteilungen Dr. Loewes wurde weiter der Wunsch ausgesprochen, daß dem türkischen Botschafter in London ein Memorandum im Namen der Juden Rußlands und Rumäniens Überreicht werde. Das Album wurde hergestellt, der Verkauf der Bilder in die Wege geleitet und mit Empfehlungsbriefen ausgestattet fuhr Gordon nach Paris, Dort konnte er nur E r 1 a n g e r, Rc Schilds treuesten Berater, sprechen, da Re~: Schild selbst krank war. Erlanger erklär seine grundsätzliche Bereitwilligkeit, selH; alles zu tun und sich bei der „AUiance" r verwenden, Rothschild werde das Werk unterstützen, sofern die polnisch-russischen Juden mindestens iocoo Franken selbst aufbringen. Auch Grand Rabbin ZadokKahn bewährte durch Hilfsbereitschaft meinen Ruf als echter Chowew-Zion. Die Meinungen der Pariser Herren, besonders Rothschilds, gingen dahin, daß man möglichst viel Land, eventuell im geheimen kaufen müßte. Rothschild selbst wollte in jeder Hinsicht nur mit einer einzigen Zentralstelle zu tun haben. Ueber diese Nachrichten Gordons entspann sich unter den russischen - Chowewe-Zion eine lebhafte Debatte, Sie waren in ihrer Überwiegenden Mehrheit bereit, ohne viel Kritik Rothschilds Anerbieten zu aeeeptieren. Nur der immer etwas pessimistisch und kritisch gestimmte Lewanda wünschte eine andere Auffassung der Landkaufsfrage, die vor allem „Geulat Haarez" bedeute und nicht, wie die Philanthropie möchte, einfach der Ansiedelung eines jeden beliebigen Juden dienen solle. Nach einigen Schwierigkeiten erledigte Gordon auch in London seine Mission, wo er allerdings einen viel steinigeren Boden als in Paris vorfand. Inzwischen waren die Vorbereitungen für die Kattowitzer Konferenz weiter gediehen, Ueber die Zweckmäßigkeit der Konferenz waren die Meinungen geteilt. Lewanda konstatierte immer wieder, daß die Idee der Kolonisation nur geringen Anklanggefunden habe und daß mit der Gründung einer Zentrale gewartet werden könnte, bis die wirklich maßgebenden Faktoren der Judenheit gewonnen seien. Denn nur in Rußland interessiere man sich ernstlich für Palästina. Das Liebeswerben um die Westjuden und ihre Einladung zum Eintritt in das geplante Zentralkomitee hätten wenig Sinn, Auch die Lage des Konferenzortes wurde von manchen Seiten als wenig glücklich betrachtet. In der Tat war die Kritik Lewandas in manchen Punkten nicht unbegründet, wie z. B. der Brief Gottschalk-Lewys aus Berlin an Pinsker vom 13. Oktober 1884 beweist, in welchem die Ablehnung der Einladung zur Konferenz, wie folgt, begründet wurde: „Die Kolonisation kann nur Erfolg haben, wenn es gelingt, Männer von Bedeutung (wie etwa Baron de Worms, Montague-London, Common do, Rothschild- Paris), oder bestehende Vereine (AUiance Universelle, Anglo-Jewlsh Association) dafür zu gewinnen, welche die Leitung i» die Hand nehmen. Alle Andeutungen von Wiederauflebung des Volksgeistes, nationaler Vereinigung der Juden (so sehr wir eine solche im Herzen tragen) sind sorgfältig zu vermeiden.

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