Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Berschader Kooperative
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 446 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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446 Umschau: Kolonisation Familie) verwenden mußten und so sogar Ersparnisse machen konnten. Interessant ist, daß diese Gruppe den Bargeldverkehr für ihre Mitglieder überhaupt abgeschafft hat. Jede Familie besaß ihr Fassungsbuch, in welches immer für eine Woche voraus die Gebühr (gerechnet 10 Lei pro Tag und Kopf der Familie) eingetragen wurde, und mit diesem Buch konnte in der Konsumanstalt alles Notwendige besorgt werden. Alle Einkäufe wurden mit ihrem Gegenwert in Geld in das Buch eingetragen. Auch ärztliche Hilfe, Unterricht und Beanspruchung von verschiedenen Reparaturen wurden auf diese Weise mit dem Gegenwert in Geld verrechnet und in Ausgabe gestellt. Eine vorzüglich organisierte Kanzlei, deren Beamte auch Mitglieder der Kooperative waren, besorgte alle Verrechnungen. Von den genannten 80 Familien wurden im November 1921 25 Familien als dritter Transport nach Palästina geschickt. Die zurückgebliebenen 55 Familien wurden durch weitere 35 Familien aus Kischinew ergänzt und auf diese Weise der Stand "in Galatz und Bralla auf 90 Familien erhöht. Diese Gruppe gab im Jänner 1922 38 Familien als vierten Transport nach Palästina ab und während dies geschrieben wird, befinden sich in den beiden Städten noch 75 Familien, welche bereits alle die notwendigen Reisedokumente besitzen, so daß Anfang April die letzte Gruppe der Berschader Kooperative mit allen Werkstätten den rumänischen Hafen verlassen und sich nach Palästina einschiffen wird. Das Vermögen der Kooperative beläuft sich auf 10000 Pfund aus den Einzahlungen der Mitglieder, weitere 10000 Pfund erhielt die Kooperative als Darlehen gegen Verpfändung des Schmuckes, den die Mitglieder zur Verfügung gestellt hatten, und 5000 Pfund stellte außerdem eine Anzahl von Mitgliedern, welche größere Beträge von ihren Angehörigen in Amerika bekommen hatten, leihweise zur Verfügung. 2. Die erste Gruppe, bestehend aus 37 Familien, hatte im August 1921 die Reise nach Palästina angetreten. Sie lieferte ihr ganzes noch bei ihr befindliches Bargeld ab und erhielt vor ihrer Einschiffung nur die notwendige Lebensmittelmenge für die Schiffahrt und für die ersten fünf Tage des Aufenthalts in Palästina. Die Werkstätten, die diese Gruppe in Galatz und Bralla eingerichtet hatte, nahm sie nach Palästina mit. Nach ihrer Ankunft pachteten die gesamten Familien in Haifa in der Nähe des Hafens von einem Araber ein Grundstück von % ha. Hierauf begaben sie sich zu einer Holzfirma und ersuchten, daß ihnen die für den Aufbau von Baracken * notwendigen Holzmaterialien gegen Kredit zur Verfügung gestellt werden. Der Besitzer willigte ein, und schon drei Tage später war eine große Baracke auf dem gepachteten Terrain aufgebaut, in der Tischlerei und Schlosserei etabliert wurden. Beide Werkstätten bekamen auch sofort genügend Arbeit sowohl aus Haifa als auch aus der Umgebung, und während die Professionisten in den Werkstätten arbeiteten, fanden die anderen Arbeitsfähigen bei Privatleuten lohnende Beschäftigung. Schon drei Monate später war die Gruppe» die ohne jedes Geld nach Palästina gekommen war, imstande, ihre Schulden zu bezahlen, und hatte noch einige Pfund erspart. In ihrem Zusammenleben war diese erste Pioniergruppe nach ähnlichen Grundsätzen organisiert wie in Galatz. Als tägliche Verbrauchsquote pro KopF der Familie wurden 5 Plaster festgesetzt; die Küche wurde gemeinsam geführt, so daß diese scheinbar geringe Verpflegsquote vollständig ausreichte. In der Gruppe befanden sich 75 arbeitsfähige Personen; von diesen hatten 25 die Baracken aufgebaut, während die restlichen 50 Personen das für den Unterhalt notwendige Geld aufbrachten. Nach der Errichtung der Baracke für die Werkstätten erbauten die Arbeiter für jede Familie eine eigene kleine Baracke. Heute, wo bereits 125 Familien aus dieser Kooperative in Haifa leben, Ist auf dem gepachteten Bodenstück schon eine kleine Barackenstadt entstanden. Die Werkstätten (Tischlerei, Schlosserei, Schusterei und Schneiderei) decken nicht nur den Bedarf der Kooperative, sondern haben auch außerhalb ihrer einen großen Kreis von Abnehmern. Erwähnt soll noch v/erden, daß jetzt ungefähr 50 Personen aus der Berschader Kooperative mit dem Bau einer Oelfabrik in Haifa für Rechnung einer amerikanischen Gesellschaft beschäftigt sind. Der Bau wird von einem Ingenieur der Kooperative, der Fachmann ist, geleitet und dieser stellte die Bedingung, daß die Arbeiter für den Bau der Fabrik der Kooperative entnommen werden. Der Taglohn beträgt 40 Piaster. Die Kooperative hat in Haifa einen eigenen Konsumverein eingerichtet, der die notwendigen Verpflegsartikel einkauft und der gemeinsamen Küche zu Engrospreisen weitergibt. Ebenso werden alle anderen Bedarfsartikel vom Konsumverein geliefert. Auch in Haifa ist der bargeldlose Verkehr innerhalb der Kooperative eingeführt. Wie berichtet, soll jetzt der letzte Transport bestehend aus 75 Familien nach Palästina abreisen, Diese Gruppe wird bereits von den in Palästina Weilenden sehnsüchtig erwartet. Hoffen sie doch, von der Ica oder vom Nationalfonds ein großes Bodenstück zu erhalten und auf diesem ihre Wirtschaft, die vorläufig nur provisorisch ist, zu stabilisieren. Von den Zukunftsplänen der Kooperative, die sehr weitreichend sind, soll hier nicht gesprochen werden; im Laufe der Zeit wird