Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der jüdische Wucher und der Judenhaß
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 425 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Wucher'und der . Judenhaß 425 Uhren, Goldschmiedearbeiten u. dgL, so machte das alles der Jude, und erst seit kurzer Zeit änderte sich dieser Zustand zu Gunsten der Christen . . .; demnach sind die Klagen, daß die Christen durch die Juden vom Erwerb verdrängt werden, keineswegs richtig"1). Heute befaßt sich die erdrückende Mehrzahl der Juden Osteuropas mit Handwerk und Kleinhandel. Ein großer Prozentsatz lebt a.ui dem Lande, treibt Ackerbau und Viehzucht. In Südrußland bestehen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, wo den Juden, die sich auf dem Lande ansässig, machten, gewisse Konzessionen zugesprochen wurden, zahlreiche Judendörfer. Wuchertreibender gibt es in Osteuropa bis heute im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung nur einen minimalen Bruchteil. Seit dem Weltkrieg gibt es überhaupt in Osteuropa kein Geldleihgeschäft Aus Osteuropa nach Amerika eingewanderte Juden befassen sich in der Mehrzahl dort mit Fabriksarbeit, der kleinere Teil treibt Handel. Eine Neigung zum Wucher kommt gar nicht zum Vorschein. Nach Palästina in den letzten Jahrzehnten eingewanderte Juden, die sich in den Kolonien ansässig machten, legten das Fundament zu einem eigenen jüdischen -Ackerbauerstande. Wir hören nichts von irgendwelchen Versuchen aul dem Gebiete des Zinsengeschäftes. Und doch welcher Haß lodert ihnen, seitens der christlichen Araber entgegen! Der von dem Juden seit dem späten Mittelalter in manchen mitteleuropäischen und dann auch osteuropäischen Staaten betriebene Wucher war nie von der Ausdehnung, um eine Massenbewegung gegen die Juden erklären zu können. Immer war es ein kleiner Bruchteil der Juden, der sich damit abgab. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, als noch die alte Wirtschaftsstruktur des deutschen Judentums fortdauerte, schrieb ein deutscher Jude: „aber hart, lieblos, grausam und ungerecht ist, alle Juden Wucherer und Betrüger zu nennen, weil es dann und wann einige wenige noch dazu halb gezwungen Wucherer unter ihnen gibt". Nur „sehr wenige gibt es" die sich in großen Städten von den Juden, an Wucher bereichern2). So war es auch der Fall in ganz Osteuropa bis in die jüngste Zeit, Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Mittel- und Osteuropas, mit der Ermöglichung, daß die Juden den verschiedensten Berufen sich widmen, wurde im 19. Jahrhundert überall auch diese geringe Zahl der jüdischen Wucherer noch weiter reduziert. Doch der Haß der Außenwelt ermäßigte sich in keinem Verhältnis zu diesem Rückgang des jüdischen Wuchers. Die jüdischen Wucherer früherer Zeiten befanden sich mit all ihrem Gewinn in einer sehr unsicheren Lage und mußten bestrebt sein', sich durch hohe Zinsen gögen etwaige Verluste, die sie infolge der damaligen Entrechtung der Juden bedrohten, schadlos zu halten. Menasse ben Israel, der Tribun der holländischen Judenschaft im 17. Jahrhundert, schreibt, daß er auf ^^^V^würfe, die er einem aschkenasischen Rabbiner wegen der über- J) Die Debatten über die Judenfrage in der Debatte des galizischen Landtages vom J. 1867. 2) Moses Hirachei 109, 106. Htft 7 r j8