Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der jüdische Wucher und der Judenhaß
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 424 (sequence 9)
- Language
- German
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434 M a 11 h I a a M1 e s © s Menge Juden, die nicht wie in vielen anderen Orten" verachtet sind. Sie leben nicht elend von gemeinem Einkommen, vom Wucher und ihren Dienstleistungen, obwohl sie auch diese Art von Gewinnen nicht verschmähen, sondern sie besitzen Boden, befassen sich mit Handel und sie ergeben sich selbst dem Studium der freien Künste, besonders .der Medizin und der Astrologie. Sie haben fast überall die ärarischen Zölle für Waren zu beheben! Sie tragen keine Abzeichen, die sie von Christen unterscheiden sollten» Sie dürfen das Schwert tragen und bewaffnet gehen. Sie erfreuen sich der Rechte aller anderen Bürger." Diese Art von wirtschaftlicher Betätigung hinderte doch nicht,- daß mehrere Jahrzehnte nachher der größte Teil der ukrainischen Juden von Kosakenbanden ausgerottet wurde. Im Jahe 1618 eiferte ein polnischer Autor dagegen, daß der Jude Arzt, der Jude Handwerker, der Jude Goldschmied wird. (Zyd juz doktorem, zyd i rzemie&nikiem, zyd i zlotnikiem) 1). Vor der Mitte des 17. Jahrhunderts werden Juden in Polen erwähnt, die Städte und Dörfer pachteten, Getreide zum Verkauf zu Schiff beförderten, wie auch solche die Zölle vom Getreide bei der Ausfuhr behoben. Es wird hierbei die Frage erörtert, ob der Jude als Pächter nicht in die Rechte der fürstlichen Eigentümer, die zollfrei ihre Ware überallhin nach damaligen Gesetzen befördern konnten, tritt 2). Der dann teilweise eingetretene Uebergang der Juden in Osteuropa vom Ackerbaubetrieb zum Wucher erfolgte unter dem Druck des. Frondienstes, da die Juden zum Sklaventum, zu Leibeigenen, glebae adscripti, sich nicht herabdrücken lassen wollten und darum eine anderweitige wirtschaftliche Erwerbsform sich zu suchen genötigt waren. Interessant ist es, daß noch im Jahre 1759, als die Anhänger der jüdisch-christlichen Frankistensekte an eine Christianisierung ihrer Berufe dachten, sie sich weigerten in Privatgütern sich ansässig zu machen, damit sie nicht zum Frondienst herangezogen werden, in der die armseligen Dorfeinwohner gehalten werden; so heißt es ausdrücklich im Briefe des Nuntius Serram 14. XI. 17598). Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatten in Galizien die jüdischen Handwerker auf dem Lande fast noch ein Monopol. Aul einer Sitzung des galizischen Landtages im Jahre 1868, wo die Frage der Gleichberechtigung der Juden behandelt wurde, erklärte der Abgeordnete Smolka, ehemaliger Präsident des österreichischen Parlaments, der Geheralredner pro, unter anderem: „Auch' ist es nicht lange her — die Herren welche in meinem Alter oder älter sind, werden sich wohl daran erinnern — daß besonders auf dem flachen Lande es fast gar keine anderen als jüdische Handwerker gab, und wenn man einen Anzug brauchte, eine Czamara, einen Kontusz, einen Pelzrock, einen Pelz oder eine Mütze, Glaserarbeiten, Blechsachen, Schlösser, ■—■——- *!) Piotr Gorczyn: Zelus Korony polsklej 1618. 3) R. Joel Serkes: Beth Chadasch Nr. 27. 3) Kraushar: Frank i Franklsci 168.