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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 423

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Der jüdische Wucher und der Judenhaß
Date
1921-01-01
Page
423 (sequence 8)
Language
German
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Der jüdische Wucher und der Judenhaß. 423 Ausweisungsdekret der spanischen Juden vom Jahre 1492 wird ein geldgeschäftliches, wucherisches Verschulden der Juden, das diesen Exodus herbeigeführt hätte, mit keinem Worte erwähnt. ' Die osteuropäischen Juden in Polen erscheinen seit dem 14. Jahrhundert auch als Geldverleiher, aber die Zahl dieser Escompteure war damals dort recht gering. In den Jahren 1386—1399 kommen in den Gerichtsakten von Posen1) kaum fünfzig Namen von jüdischen Geldverleihern vor. Einige jüdische namhafte Geldverleiher erschienen damals in Krakau und in der Warschauer Vorstadt Dunaj; wie auch in den östlichen russischen Städten Lemberg und Luck2). Im 15. Jahrhundert gingen diese Geldgeschäfte stark zurück3). Unvergleichlich zahlreicher war die Beteiligung der damaligen polnischen Juden im Handel und im Gewerbe. In der Schrift eines unbekannten Autors aus dem Jahre 1539 „Ad querelam mercatorum cracoviensium responsum Judaeorum de mercatura", die Czacki und Lelewel noch kannten, gab es damals in Polen 3200 jüdische Kaufleute und dreimal soviel Handwerker, darunter Tuchmacher, Kürschner, Goldschmiede, Posamentierer, Zinnpresser, Schlosser, Buchbinder, Sattler, Wagner, Gerber, Gürtler, Messerschmiede, Büchsenmacher usw. Nach dieser Schrift soll es damals christliche Handwerker in Polen überhaupt nicht gegeben haben. In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts erfahren wir von Juden als Gerbern, Glasern, Schneidern, Kürschnern in Posen. Die Posener Juden dürften sich in der Hauptsache damals mit Wollsticken befaßt haben. Die Judengasse in Posen hatte damals noch einen zweiten Namen „Wullenwebergasse".4). In den ethnographisch nichtpolnischen Teilen des Polenreiches zu Beginn des 16. Jahrhunderts, gerade in jenen Ländern, wo dann die schrecklichsten Judenmetzeleien stattfanden, befaßte sich die erdrückende Mehrzahl der Juden mit allem eher als mit Geldgeschäften. Der Krakauer Geistliche und Arzt Matthias Michow berichtet im Jahre 1519, die Juden Reussens, der Ukraina, Podoliens, Wolhyniens, Osteuropas seien keine Wucherer, wie die Juden in den sonstigen Ländern der Christenheit, sondern betrieben Ackerbau wie auch Handwerk und befaßten sich auch mit Zolleinahmen; ähnliches, berichtet er auch über die Juden Litauens, wobei zu beachten ist, daß einige Jahrzehnte früher eine dann zurückgenommene Austreibung der Juden aus diesem Großfürstentum erfolgte. In Schlesien wird jüdischer Ackerbaubetrieb im 12. Jahrhundert erwähnt. Die älteste Erwähnung von jüdischen Geldgeschäften in Schlesien datiert aus dem Jahre 1190. Über die Juden der östlichen Provinzen des Polenreiches berichtet einige Jahrzehnte nach Matthias Michow der Kardinal Comendoni, der am Hofe des Königs Sigismund August Gesandte war: „In diesen Provinzen findet man eine große " ■—■— * ^Szypper: Studya nad stosunkami gospodarczymi zyd6w w PolsceLembergi9ii. 2) ib. n5 ff, 133, 135. 3) ibf 253 ff, 4) ib. 257. 5) Grat anus: Vie du Cardinal Camendoni traduite par Flochier Paris 1614.

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