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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 420

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Der jüdische Wucher und der Judenhaß
Date
1921-01-01
Page
420 (sequence 5)
Language
German
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420 Matthias Mi e s e s : n. Zum Wucher ging ein Teil, und nie mehr als ein kleiner, der europäischen Juden erst nach den Verfolgungen, Rechtseinschränkungen und Greueltaten über, die in Gefolgschaft der ersten Kreuzzüge auf die Juden Westdeutschlands niedersausten, der Landbesitz und das Handwerk ihnen unmöglich wurden und ihnen bloß jene Einkommensquelle offen -stand, wo ihnen aus kanonischen Gründen die Christen keine Konkurrenz leisten durften. Das jüdische Geldleihgeschäft überhaupt wird in Europa, zuerst im Jahre 1100 erwähnt1). Vom jüdischen Wucher, und zwar nicht in der Form eines Tadels, sondern unter Hervorhebung, daß die jüdischen Wucherer besser als die. christlichen seien, spricht zuerst Bernhard von Clairvaux. Das Zinsgeschäft war jedoch im 12. Jahrhundert in Frankreich noch lange nicht die einzige Beschäftigung der Juden. Sie gravitierten noch immer aufs Land. Es wird um jene Zeit der Viehhandel als Erwerbsquelle der Juden erwähnt2). Aus dem Reisebericht Benjamins von Tudela erfahren wir, daß der Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Narbonne Felder und Güter vom Landesherrn als Lehen besaß „und kein Mensch kann sie mit Gewalt ihm wegnehmen". Es beleuchtet die Sicherheitsverhältnisse des jüdischen Bodenbesitzes in Frankreich, daß ein solch besonderer Schutz nötig war. Der Übergang der französisch-deutschen Juden in jener Zeit trotz aller Verbote der alten Rabbinen zum Wucher kostete sie viel innere Überwindung, wovon sich in der zeitgenössischen rabbinischen Literatur ein kennzeichnender Niederschlag feststellen läßt. Die Arbeit galt weiterhin nach altrabbinischem Vorbild auch den mittelalterlichen Juden für etwas Vorzügliches. Ein Lob der Arbeit stimmte Maimonides in seinem Abboth-Kommentar an. R. Ascher lehrt, es sei „die Pflicht" eines jeden Gelehrten, neben der Pflege eines Wissens auch einem Erwerb nachzugehen, jedes Wissen, das mit keiner Arbeit verbunden sei, versiege und führe zur Sünde3), Im Sohar wird ein schönes Bild entworfen von einem, der seine zwei Kinder bei einem Rabbiner lernen läßt, während er selber Handel treibt und deren Unterhalt erwirbt4). Auf das altrabbinische Vorbild der Arbeit berief sich noch im Beginn des 19. Jahrhunderts der russische Mendelssohn, der Führer der Aufklärung und Anreger manueller Beschäftigung unter den Juden Osteuropas, Isaak Baer Lewinsohn in seinem Buche Thudo b'Israel. Als ein Teil der mittelalterlichen Juden zu wuchern begann, wurde nach Rechtfertigung gesucht. Man entschuldigte sich damit, daß die Juden von Königen und Fürsten mit Steuern belastet werden und es beim Wucher sich bloß darum handle, den Lebensunterhalt zu fristen; „wir wohnen unter den Völkern und es ist uns nur möglich, etwas zu verdienen, wenn wir mit den R. Hoenige: Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühen Mittelalter in Geigers Zeitschrift I 97. a) Aboda Sara 22 Thossaphoth. 3) R. Ascher, Responsen Klal 15, 7. 4) Sohar I 7»b-

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