Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der jüdische Wucher und der Judenhaß
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 419 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Wucher und der Judenhaß 419 ist nach talmudischer Anschauung unstatthaft x). Bei Uebervorteilung von über einem Sechstel wird das Geschäft rückgängig gemacht 2). Das römische Recht sieht eine analoge laesio enormis bei Uebervorteilungen um die Hälfte des wahren Werts. Das Krämerwesen wurde als verächtlicher Beruf von den alten Rabbinen behandelt, galt als dem Raub gleichgestellt 8). Der Talmudbeflissene dankte Gott täglich, daß ihm Gott das Schicksal eines Ladenbesitzers nicht zuteil werden ließ 4). Als typischer Händler erscheint im Talmud in einer Parabel, der Kuthäer 5). Das ganze Stadtleben findet bei den alten Rabbinern wenig Lob: Die Stadtbevölkerung treibt allerhand Unfug6). Das Stadtbewohnen ist schwer 7). Nach dem Koran, der jüdische Ansichten oft widerspiegelt, ist der Wucher eine der Hauptsünden und dabei wird einmal die Ansicht der Wucherer angeführt, Handel sei dem Wucher gleich 8). Erst die Diaspora zwang den Juden das städtische Leben auf, aber sie befaßten sich in den Städten ursprünglich mit Handwerk und nutzbringendem Handel. So war es im alten Alexandrien 9). Dem Talmud nach waren die alexandrinischen Juden hauptsächlich Handwerker, In den ersten Jahrhunderten des Mittelalters beteiligten sich die europäischen Juden wirtschaftlich im Okzident als Schiffseigentümer10), Besitzer von Weinbergen, Bebauer von Feldern. Im byzantinischen Reiche trieben zur Zeit Justinians viele Juden Landwirtschaft11). Soweit sie Handel trieben, trug er großzügigen internationalen Charakter. Der arabische Schriftsteller Ibn Khodadbe beschreibt die reisenden jüdischen Kaufleute, Rodaniten genannt, die vom Orient nach dem Okzident und umgekehrt bald zu Lande, bald zu Wasser fahren, allerhand Waren vermitteln und dabei persisch, romanisch, arabisch und fränkisch sprechen. Sie reisen vom Lande der Franken bis nach Indien und China12). Dem Bekanntenkreise Karl des Großen gehörte ein solcher jüdischer Großkaufmann an, der öfter Palästina zu besuchen und von dort Kostbarkeiten zu bringen pflegte13). Wegen der internationalen Beziehungen sicherlich ließ Karl der Große an der Gesandtschaft, die er im Jahre 787 an den Kalifen Harun al Raschid schickte, auch einen Juden teilnehmen. Jüdische Kaufleute, die vom Osten her nach Bayern Handel trieben und somit zwischen Bayern und wahrscheinlich Ungarn oder dem Balkan vermittelten, werden im Jahre 906 erwähnt Die jüdischen Weltreisenden Benjamin von Tudela, Pethachia von Regensburg bedienten sich gewiß der von den damaligen jüdischen Weltkaufleuten verwendeten Routen, von Spanien bezw. Bayern nach dem Euphratlande. *) Baba Mezia 60 a. *) Baba Bathra 59 b *) Kidduschin 8a a. 4) Brachoth 28 b. 6) Sanhedrin 107 a. 6) Hohelied Rabba 7, 12. 7) Sanhedrin 107 a. 8) »Koran Sure II. 9) Cassiodor: Historia tripartita I XI c XI Migne LXIX 1194. 10) Aronius Regesten 74, 27lA) Codex Jußt. Nov. 144. 1») Aronius 113, 56. 13) ib. 5*,