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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
414 (sequence 5)
Language
German
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4H Samuel Rappaport: Perücke zu tragen. Es gibt sogar, insbesondre in größeren Städten, manche, die schon etwas abseits vom gesetzgemäßen Leben stehen und die sogar keinen streng religiösen, sog. „koscheren" Haushalt führen oder gar schon ihre Geschäftsläden am Sabbat und Feiertagen nicht schließen, bei denen aber noch der unsichtbare und scheinbar überwundene Einfluß der im Elternhause einst miterlebten religiösen Tradition im Herzen unbewußt fortwirkt und die in einer eingetretenen ernsten Erkrankung die strafende Hand Gottes für den unfrommen Lebenswandel erblicken und „auf sich nehmen", bei Gesundung alle Fehler gutzumachen und zum frommen Leben im Sinne der Tradition zurückzukehren, den Haushalt wieder „koscher" einzurichten, das Geschäft wieder an Sabbat und Feiertagen zu schließen und, was oft auch damit, bei Männern, im engen Zusammenhange steht: am Sabbat nicht mehr zu rauchen, was mitunter auch, zumal bei leidenschaftlichen Rauchern, ein besonderes „Auf-sich-nehmen" für sich bildet. Gar verschiedenartig und mannigfach sind die Arten des „Auf-sich-nehmens". Nach der Gesundung sucht fast jeder, schon aus Scheu vor der rächenden Strafe des Himmels für ein gebrochenes Gelübde, die im schweren Momente freiwillig auf sich genommene Verpflichtung nach Möglichkeit gewissenhaft zu erfüllen. So hört man z. B., daß in manchen Häusern, in denen wegen Nichterfüllung der rituellen Vorschriften in der Küche kein frommer Jude etwas genießen durfte, durch Aufnahme einer frommen jüdischen Köchin und Anschaffung neuen Küchengeschirres sowie strenge Beobachtung aller Speisegesetze die rituelle Führung wieder hergestellt wurde. Ebenso sieht man mitunter aus denselben Gründen so manches Geschäft, das bis dahin am Sabbat und Feiertagen öffentlich betrieben wurde, von nun an an diesem Tage nach den Vorschriften der Tradition geschlossen und den Eigentümer sich jeder verbotenen Arbeit enthalten usw. Neben dem freiwilligen Pidjon, d. h. der bewußten und beabsichtigten Leistung, die aus schwerer und gefahrvoller Situation auslösen soll, gibt es noch eine andere Art des Auslösens, nämlich: durch den unfreiwilligen zufällig entstandenen materiellen Schaden, der aber nicht Pidjon, sondern „Kapparah" d. h. Sühne genannt wird. Der Unterschied zwischen Pidjon und Kapparah liegt auch in der Bestimmung der Substanz, des Gegenstandes, der als Pidjon bezw. Kapparah betrachtet wird, bleibt erhalten und ist frommen undwohltätigen Zwecken gewidmet. Die Kapparah jedoch d. h. die Substanz des Gegenstands, der als Kapparah d. h. als Sühne und Ersatz für ein drohendes Unglück dienen soll, ist der Vernichtung und, wenn die Kapparah ein lebendes Tier ist, dem Tode geweiht. Der sog. Sündenbock der Bibel, der am Versöhnungstage die Sünden des Volkes in die Wüste zu tragen pflegte, war dem Tode preisgegeben. Dieselbe Idee liegt auch dem, schon im Mittelalter im Judentum bekannten und später, über besonders autoritative kabbalistische Empfehlung — Jizchak Lurjas — im Osten bis heute allgemein verbreiteten Brauche

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