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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 409

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
409 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Briefe eines Chaluz aus Daganiah 409 der Chaluzim ausdrückt. Letzten Samstag auf einem Ausflug nach Tiberias lernte ich sie in ihrem Heim in ihren Zelten kennen. Da hättest Du sie singen hören sollen! Es ist ja wahr, daß sie an Landarbeit gedacht haben und auch jetzt noch sich zu ihr hinsehnen als dem eigentlichen Ziel, aber auch sie sind zum größten Teil von dem Bewußtsein getragen und gestützt, daß sie dem Lande hervorragenden Dienst in seinem Aufbau leisten. Uebrigens fand ich dort eine ganze Gruppe von Burschen, die freiwillig die Landwirtschaft verlassen haben, um sich diesem harten Dienst zu widmen. Das kann man erst recht verstehen, wenn man selbst einmal die holperigen alten Landstraßen gerollt oder gepilgert ist. Dort, wo die Schwefelquellen zu Tage treten, in Bassins gesammelt, für Bäder benützt, in einem Hause, in dem ich auch Stücke der Ausgrabungen fand (Säulenkapitäle aus der griechischen Zeit und Wasserkrüge usw.), haben die Chaluzim bereits eine Bibliothek eingerichtet, in einem Zimmer, durch dessen Fenster man den See in seiner schönen Harfenform (Kinor, daher Kinereth) überschauen kann. Ein Kamerad mahnt mich, daß es morgen wieder Dünger aufzuladen gibt, und daß es noch heißer als heut sein wird, ich solle schlafen gehen. Soll ich ihm folgen? Das Herz sägt nein, die Vernunft ja, also? 23. X. Sabbath. Die Sonne stand heute schon ziemlich hoch, als ich mich aus dem Leintuch herauswickelte und die geblendeten Augen über die Seelandschaft wandern ließ. Es war mir süß und traurig zugleich zu Mute, denn ich fühlte gleich auch, daß der Abschied von diesem Stück Land nahe ist. Gegen Mitternacht, als ich von einem kleinen Ausflug entlang des Jordan zurückkam, hab ich's von Sahwah erfahren. E. hätte mir einen Brief geschrieben, den ich aber nicht erhalten, daß Leute von der „Awodah" gekommen wären, und er für uns eine gemeinsame Arbeitsstätte in Juda, Chederah, erwirkt hätte, ich solle nach Jaffa kommen zur Besprechung. Wie hätte ich mich ungeteilt gefreut über dies Ereignis, wäre mir Daganiah nicht schon fast ans Herz gewachsen, denn das ist ja der nächste Schritt zur Verwirklichung unseres Zieles. Hier bin ich zu einer bereits fest gefügten Gemeinschaft gekommen, jetzt gilt es die eigene erstehen zu lassen oder zu schaffen, und gerade in der Selbstverständlichkeit, mit der sie hier gelebt wird, ist mir bewußt geworden, daß es für uns westliche Juden, die zu lange im Individualismus verstrickt waren, ungleich schwerer sein wird. Und es ist mir auch fühlbar geworden, daß nun auf mir, der ich in Daganiah bescheiden und demütig bis zur Unbemerktheit im Hintergrund geblieben bin, viel Verantwortung ruhen wird. Vielleicht wird es nicht nötig sein, werde ich auch hier mich in eine natürliche Ordnung nur einzureihen brauchen und mich zu ihr erziehen, wie in Daganiah. Komme, was kommen raag, ich hoffe bereit zu sein. Freilich glaube ich mich dahin kennen gelernt zu haben, daß es meiner Art entsprechender ist, mich wenn möglich einzuordnen als selbst die Initiative zu ergreifen. Hierzu ist mein Selbst- Heft 7 27

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