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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 408

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
408 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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408 Briefe eines Chaluz aus Daganiah Blumen hier angelegen sein, die ich sehr vernachlässigt vorgefunden habe. Sie ist neben Gordon wohl die geistig regste und die einzige, die mich immer wieder aus meiner Einsamkeit hervorholt, trotzdem es nach ihrem Geständnis für sie gräßlich ist, meine elende Aussprache des Hebräischen zu hören. Mein Brief gerät etwas kunterbunt, Ihr müßt schon verzeihen, aber es fehlt mir an der Zeit, Umschau zu halten nach einer gewissen Ordnung und Reihenfolge, und müßt es selbst'mit in den Kauf nehmen, daß, wenn ich einen Brief weggeschickt habe, mir hundert Dinge einfallen, die ich nicht geschrieben habe. Z. B. über den Gesundheitszustand Daganiahs. Daganiah war einmal ein berüchtigter Malariaherd und wer hierher ging, konnte totsicher mit dem Fieber rechnen. Aber die Entsumpfung des Jordans, die wir unserm schönen Eukalyptushain verdanken, ist so weit gediehen und die Chininprophylaxe ist so gut durchgeführt, daß schon ein Jahr lang kein Malariafall vorgekommen ist. Jeden Abend beim Nachtmahl bringt unsere Chowescheth (Feldscherin) die Chininbüchse und an der Geschicklichkeit, mit der es die einzelnen verschlucken, oder an ihrer Unbeholfenheit kann man die Dauer ihres Hierseins ermessen. Dann glaube ich auch, daß die Arbeit und gesunde Lebensweise und Nahrung den Krankheiten gut vorbeugen. Eines hat allerdings Daganiah unabänderlich vor allen anderen jüdischen Siedlungen voraus: daß es fast das heißeste Klima in Erez Israel hat; darauf hab ich aber schon die Probe gemacht und glücklich bestanden. Die schönste Zeit steht vor mir: der Winter, die Regenzeit, die Zeit wo die jetzt kahlen Berge sich mit grünen Wiesen bedecken und tausend und abertausend Blumen mit den reichsten Farben aufsprießen. Wie schön muß das sein, wo ich mir's doch jetzt schon nicht schöner vorstellen kann! Wer nicht die Farben gesehen hat, die hier Luft und Licht schaffen, weiß nicht, was Farben sind, und sonderbarerweise teilt sich das allem mit, sogar den Zapfen an den Zypressen, dem kahlen Gestein der Berge und am Meeresgrund den Muscheln und Steinen. Heute nachmittag haben wir in Semach, unserer Bahn- und Schiffsstätion, am Seeufer Dünger aufgeladen. Da, als die Sonne untergehen wollte, leuchtete plötzlich der Hermon auf, und wie ihn mein Blick umfaßte, sah ich zum erstenmal auch einen großen Teil des Libanonzuges. Ein imposantes Bild in seiner plötzlichen unerwarteten Erscheinung. Zur rechten Hand vom Hermon aber sind zwei Bergkuppen, die ein liebes Bild aus der Karlsbader Umgebung aufsteigen lassen, einen Bergrücken zwischen Medschirihöhe und Engelhaus, den man gegenüber dem Predigtstuhl sieht. Auch die Wünsche der andern, die mich vor Enttäuschung gewahrt wissen wollen, haben mir wohl getan, insbesondere im Bewußtsein, daß ihr Wunsch erfüllt werden wird; mögen die Zeiten hier noch schwer sein, die Menschen sind mir eine Bürgschaft, stärker als jede andere. Ich komme mir neben ihnen nur wie ein Dilettant vor. Gefreut hat mich innig die warme Teilnahme, die sich in Karls Betrachtungen über das traurige Los

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