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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 406

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
406 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Briefe eines Chaluz aus Dagäniah Existenzmöglichkeit wäre. Ein Beamter ohne Hebräischkenntnis in Wort und Schrift ist heute undenkbar. Hat man z. B. zu Deiner Zeit bei der Anglo-Palestine Bank die Bücher hebräisch geführt? Hat man hebräische Rechnungen und Bestätigungen über Rechtsgeschäfte bekommen? Heute ist das jedenfalls eine Selbstverständlichkeit. Wie gesagt, es genügt nicht einmal, nur sprechen zu können, sondern man muß auch in der Schrift (natürlich auch im Lesen von Geschriebenem) gut bewandert sein. Für Regierungsbeamte ist natürlich auch Englisch erforderlich. Ich fand die Widmung in der Bibel, die Du mir geschenkt hast. Schon ein paarmal hab ich sie wieder gelesen und immer wieder haben mich die wenigen Worte bewegt, in denen Du Deine Sehnsucht und Deinen Wunsch zusammengeballt hast. Schilt mich nicht hart, wenn ich Dir heute darauf erwidre: bei dem langen Spielraum, den Du Deinem Kommen gesetzt hast und der eigentlich jetzt ganz im Verhältnis zur herrschenden Xage steht, liegt es nur an Dir, Dir den Weg zu bereiten, Dich und die Deinen reif zu machen für den einstigen Aufbruch. Solange ich nicht weiß, wann Du kommen kannst, solange Du Dir nicht nüchtern klar geworden bist über eine bestimmte Arbeit, die Du hier verrichten willst, und die Vorbedingungen hierzu erfüllt sind, glaube ich, kann ich keine Schritte für Dich unternehmen. Angenommen, Du wolltest in 5 Jahren kommen, kann ich Dir für diese Zeit sagen, wie sich die Verhältnisse entwickeln werden, kann Dir irgend jemand für diese Zeit einen Platz sichern? Auch fand ich noch keine Gelegenheit, mit entsprechenden Personen über Deine Sache zu sprechen, da diese Leute ja in Jerusalem sitzen, wo ich noch nicht war. . . * Daganiah, 20. Oktober 1920. Wundervolle Mondnacht über dem Jordantal, die Bäume still und unbewegt wie die Berge ringsum, nur der See rauscht; wovon? was wühlt ihn auf? Es ist mir fast schwer geworden, mich von dem Bild zu lösen, aber vom Schauen und Denken ist mir bewußt geworden, daß ich Euch schon lange nicht geschrieben habe, und Ihr könntet in Unruhe sein meinetwegen, der seine Tage so schön in aller Ruhe verbringt. Immer schöner wird mir das Leben hier, je mehr ich Herr über das werde, was mir Aufgabe ist, je mehr ich meinen Leib gewachsen und gestärkt fühle für meine Arbeit. So vergehen die Tage, einer um den andern, ehe man es merkt, nur der Sabbath bildet immer wieder eineif Merkstein, als Ruhetag, als Tag der Einkehr, des Überschauens und nun auch des Wanderns. Die erste Zeit nämlich hatte ich eine Scheu, am Sabbath herumzupilgern wie die andern, wußte nicht Bescheid über das Ausmaß meiner Kräfte und mußte daher mit ihnen aushalten. Und dann hatte ich keinen rechten Wandergefährten. Aber seit 14 Tagen hab ich einen lieben Gefährten |hier, Irma S., da ist es Heb mit dieser lebens- und erlebensfrohen, allweil glückbereiten jugendfrischen Seele

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