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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 404

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
404 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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404 Briefe eines Chaluz aus Däganiah Die Arbeit beginnt mit Tagesanbruch, dauert bis um l/§ 9 Uhr, unterbrochen durch eine ausgiebige Pause, beginnt schon um 3 Uhr und geht weiter bis Sonnenuntergang. Gewürzt ist sie durch eine glühende Hitze, so daß man von 10 Uhr ab alle Weile um einen Schluck Wasser geht, das in einem Faß aufbewahrt ist und in Europa verächtlich ausgespuckt würde, hier aber vortrefflich mundet Die Arbeit, die ich bisher hatte, war sehr verschieden. Am ersten Tag: Stroh und Mist aufladen, abladen, Stall reinigen, nachmittags Olivenbäume d. h. die Erde ringsumher behacken. Am zweiten: Orangenbäume behacken, die schwerste landwirtschaftliche Arbeit hier, wie mir die Kameraden zugaben, und da passierte es mir auch, daß ich bereits eine Stunde vor Arbeitsschluß aufhören mußte, " weil mein Kreuz durchaus nicht mehr mittun wollte. Nachmittag erholte ich mich beim Pflügen und heute erst recht, als ich den ganzen Tag, nachdem ich 12 Fuhren Stroh hereingeschafft hatte, mit Gordon zusammen Oliven pflückte. Denke dabei aber nicht, daß wir viel sprachen, einiges zur Arbeit Gehörige und dann von „Jaakobs Traumden er von mir ausborgen wollte, und in dem er jetzt mir gegenübersitzend liest. Er spricht überhaupt nicht viel, geht ziemlich einsam umher, die Hände am Rücken verschränkt. Er wird von den Genossen ganz als Chawer behandelt, man neckt ihn auch gern, bringt ihn mit Debatten über Achduth-Haawodah und Hapoel-Hazair in Rage. Im übrigen war er es heute beim Olivenpflücken, der als erster auf den Baum geklettert ist. Zu Roschhaschanah hörte ich ihn brummen, daß unter 25 Jungens kein einziges Gebetbuch zu finden sei. . Als dann nach dem Nachtmahl ausgelassener Gesang und schließlich Tanz anhob, war er nicht mehr zu sehen. Wie ich diesen Abend und die zwei Feiertage verlebt habe, muß ich ein andermal erzählen, jetzt heißt's schlafen gehen und den Brief schließen. . Ach, es gibt ja soviel zu erzählen, daß ich nicht aus noch eiriweiß. *. Daganiah, 9. Oktober 1920. So komme ich endlich auch zu Euch, am sechsten Sabbath meiner Landung in Erez Israel, am 4. Sabbath meiner Dienstzeit in Daganiah. — Warst Du damals hier, am Südufer des Kinerethsees, dort wo der Jordan in einem wunderlichen schwungvollen Bogen aus dem Blau des Sees herausschnellt, um dann gleich in vielen Windungen zwischen Schilf und unter dem Schatten unserer Eukalyptusbäume südwärts weiter zu eilen? Schon manchmal, wenn ich in ihm badete und mühsam gegen die Strömung ankämpfte oder wenn ich nur beschaulich an seinem Ufer saß, frug ich: warum eilt er nur so, warum hast du's so eilig? Ich erinnerte mich, von einem Gefälle gehört zu haben, das einmal von großer wirtschaftlicher Bedeutung für unser Land werden soll, ich hab's nie recht geglaubt, hab es für eine jener Uebertreibungen gehalten, zu denen angeblich Erez Israel verleitet. Und da es meine eigenen Augen sehen, mag ich's wieder nicht glauben und hab immer

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