Mannheim
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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 403

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
403 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Briefe eines Chaluz aus Daganlah 403 Erst wenn die Sonne hinter den westlichen Bergen untergehen will, der Har Poriah schon ganz im Schatten liegt und über die jenseitige Höhe rosige Glut sich breitet, tauchen die Schatten auf und an ihnen erkennt man, daß es dort auch Klüfte und Riffe gibt und einzelne Kuppen, die jetzt das Antlitz des Hanges reizvoll beleben. Der Jordan selbst aber bleibt Deinen Augen verborgen, bis Du zu seinen Ufern heruntersteigst, über die sich dichte Eukalyptuswipfel neigen. Zwischen dem Wohngebäude und diesem Bild breitet sich ein umfangreicher Garten, der durch eine schöne Zypressenallee in zwei Teile geteilt ist. Auf der einen Seite Orangen- und Oelbäume, auf der andern eine noch junge Pflanzung von Mandel- und Eukalyptusbäumen, die weiterhin gegen den Jordan zu bereits wie ein kleines Wäldchen aussehen. Der Hof selbst umfaßt das Wohngebäude, zu dem von außen eine Treppe hinauf führt, um in einer Terrasse zu endigen, die ihr schöneres Gegenstück auf der andern Seite, dem See zu, hat, dann das Küchengebäude mit drei Küchenräumen, 'dem' Speisesaal und Duschbad, und schließlich der Stall und andere Wirtschaftsgebäude. Gegen Norden und Westen die Felder. Im Stall stehen 12 Maultiere und an 40 Stück Rindvieh. Im Hof ein Hühnerstall mit einer für mich noch unübersichtlichen Anzahl von Hühnern. Bei den Kameraden muß man scheiden zwischen den Genossen und Arbeitern. Die ersteren sind durchwegs sympathische Menschen, zumeist vom harten Leben sehr ernst, wenn ihre Augen auch nichts von den Sorgen eines europäischen Bauern oder Geschäftsmannes verraten. Dann sind da noch Arbeiter, bis auf einen, A. D. Gordon, jung, kaum 20 Jahre alt, auch liebe Burschen und hierzu noch fröhlich und voll Lebenslust. Hier will ich gleich sagen, wie schwer es für diese Jungens ist, so fern von Mädchen ihres Alters zu leben. Einer bat mich heute so herzlich, ich möchte, wenn ich von jungen arbeitsfreudigen Mädchen wüßte, ihnen schreiben und sie herbescheiden zu den Jungens. Von den Frauen am Hof weiß ich noch nichts zu berichten. Unter ihnen ist eine, mit der ich hierherfuhr, und S.R., die einmal für die „Awodah" in Aussicht genommen war, aber hier verheiratet ist. Bald wird auch Irma als Kindergärtnerin herkommen. — Die Frauen sind derzeit in der Küche, im Kuhstall und im Haushalt tätig, überdies ist am Hofe von der „Hadassah" eine Art von Feldscherin zugeteilt, die einzige, die raucht. In der Küche und beim Melken ist außerdem noch je ein Mann, Gehilfe; die Wohnung ist derart geregelt, daß Ehepaare ein Zimmer haben, sonst aber Jungens und Mädchen zudritt und viert je in einem Zimmer untergebracht sind. Ich habe vorläufig noch kein Zimmer, strebe auch nicht danach, da ich draußen auf der Terrasse in viel frischerer Luft schlafe. Für ein weiteres Ehepaar habe ich bisher noch kein Zimmer entdecken können. Aber selbst wenn wir bleiben, brauchten wir nur den geringsten Teil unserer Möbel, da ja gemeinsame Küche besteht

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