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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 401

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
401 (sequence 5)
Language
German
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Briefe eines Chaluz aus Daganiah 401 der Berglandschaft werden zwei neue grüne Eilande zu sehen sein. Durchfährt man mit der Bahn palästinensisches Land, wie öde kann es einem erscheinen, besonders in der Sommerzeit, fast unmöglich, das alles zum Leben zu erwecken. Und doch, sieht -man die Siedlungen in ihren verschiedenen Stadien wie hier um den See herum, blüht Glaube und Hoffnung auf. Und sieht man den Menschen bei der Arbeit und arbeitet man selbst mit, dann weiß man auch, welche Unsumme von Arbeit dazu erforderlich ist. Freilich auch viel Geld. Und die Juden Europas wissen nicht, wie sehr sie sich gegen das Land und gegen die Menschen vergehen, die es zum Leben erwecken wollen, wenn sie ihre Taschen so zugeknöpft halten .... * Daganiah, 4. Oktober 1930 (Simchath Thorah). Eben höre ich, daß heute nachmittags ein Kamerad nach Jerusalem fährt, da will ich ihm noch schnell einen Brief für Euch mitgeben. Ich habe vergangene Woche endlich die ersten drei Briefe von Ella bekommen, gestern zwei auf einmal . . . Vor einigen Tagen habe ich im Traume noch1 einmal Abschied genommen * und wieder allen Schmerz und alle Tränen erlebt. Und doch hatte ich ein süßes Gefühl am Morgen; daß ich Euch alle wiedergesehen habe. Daß ich Euch heute so eilig schreibe, hat seinen Grund darin, daß Ella mir schreibt, welche Nachrichten über Palästina bei Euch umgehen. Da will ich Euch nochmals versichern, daß ich hier mitten in der Arbeit stehe, so sehr von ihr umfangen, daß ich fast gar nicht weiß, was in der großen Welt Palästinas und außerhalb des Landes geschieht. Was aber die andern betrifft, so wäre schon Arbeitsmöglichkeit in Hülle und Fülle, wenn nur das nötige Geld da wäre. Doch scheint sich eine Aktioh anzubahnen, wie ich gehört habe, wenn das Ausland weiterhin versagt, hier im Lande selbst, was nur möglich ist, an Mitteln aufzutreiben. Und Palästina hat schon einmal, in der Zeit der Geulah-Wochen, ein leuchtendes Beispiel von Opferfähigkeit gegeben. Wieviel fruchtbringender hätte das Geld hier verwertet werden können, das die Flüchtlinge jetzt in Prag und Wien verzehren, wenn für sie hier dafür Existenzmöglichkeiten geschaffen würden! Ach, wenn Ihr nur mit eigenen Augen sehen würdet, wie hier gearbeitet wird und wie Stück um Stück aus Tod und Leben, aus Wüste und Unwirtlichkeit allmählich sich seine Adern erschließen, durch Arbeit! Mein Körper, der noch nicht gewöhnt ist, ist manchmal müde, wie erschöpft, aberblicken die Augen umher, was Menschenhände geschaffen haben, und in welchem herrlichen Rahmen der Natur, so fließen mir neue Kraftquellen zu. Vor einigen Tagen sagte ein Kamerad während der Arbeit zu mir: Wenn in Europa diese Energie, diese Arbeit entfaltet würde wie bei uns, wie müßten sie dort reich sein! Und ich dachte wieder: Wenn uns die dortigen Mittel zur Verfügung stünden, was müßte aus uns werden! Doch vielleicht ist es gut, sonst würden wir erschlaffen, und es hat ja den Juden so in die Höhe

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