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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 400

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
400 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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400 Briefe eines Chaluz aus Daganiah mein Glaube wieder einmal zu bestätigen, daß eine wirklich starke Sehnsucht sich das Schicksal dienstbar macht. Daß ich hier eine so schöne Landschaft, von Natur aus und von Menschen geschaffen, finden würde, habe ich mir allerdings nicht träumen lassen. Ueberhaupt kann man sich Palästina in der Ferne nicht vorstellen, weder seine Oede noch sein sprießendes Leben. Darum ist es auch so schwer, davon zu erzählen, man müßte ein Künstler der Schilderung sein. Nehmen Sie zum Beispiel Daganiah. Ein landwirtschaftlich bestellter Boden von 300 Hektar um fünf Wirtschaftsgebäude herum, mit einem Orangengarten, Oliven, Mandelbäumen und einem Eukalyptushain macht einen bei weitem schöneren, ja großartigeren Eindruck als P., trotzdem das Ganze bloß von dreißig Leuten bearbeitet wird, die in einem in Europa so berüchtigten Kommunismus leben, und alles ist die Frucht einer kaum fünfzehn bis zwanzig Jahre langen schweren Arbeit. Da ist ein Stall mit zehn Maultieren, ca. 40 Stück Rindvieh, Geflügel in einer Anzahl, daß man den halben Speicher von P. für Futter brauchen würde. Landwirtschaftliche Maschinen in einer Auswahl, die zwar einem Hof von diesem Umfang in Böhmen ärmlich erschiene, aber hier achtunggebietend wirkt Ca. z km von hier ist eine Tochterfarm, sie heißt Daganiah B. Da erblickt das Auge schon weniger Gebäude, noch einige Zelte, noch wenig Bäume. Wohl haben sie einige Maultiere und landwirtschaftliche Geräte, sind aber hierin auf die Unterstützung unserer Farm angewiesen, die in echt brüderlicher Weise erfolgt. Lassen Sie die Augen weiter im Kreis herumschweifen über eine Pflanzungsfarm der Ica hinweg, so treffen Sie zuerst am Berghang ein großes Zelt. Was ist das? Die Behausung von 40 Leuten, die kürzlich hierherkamen und mit der Arbeit begonnen haben. Rings um sie ist es noch Wüste, nur einzelne kleine Gebüsche, künftige Bäume, sind die Zeichen ersten Auflebens der Natur unter Menschenhand. Während wir täglich ein paarmal im Jordan oder Kinerethsee baden und außerdem noch ein Duschbad zur Verfügung haben, um uns von Staub und Schweiß zu reinigen, müssen sie mühsam das nötige Wasser den Berg hinaufschaffen. Und doch werden sie vielleicht nach einiger Zeit schon ebensoviel Zelte haben, wie die Genossenschaft am Har Poriah, die bereits in drei Zelten wohnt, das heißt, eins davon dient als Küche, eines als Speisezimmer und Versammlungsraum, eines als Schlafraum. Als ich herkam, existierte das erstbesprochene Zelt noch nicht und die drei kamen mir so einsam vor, mit Wehmut sah ich zu ihnen hinauf Als ich aber bald zu Besuch hinaufkam und die Leute sah, wie sie fröhlich sind, in Kameradschaft geeint, hatte ich kein Mitleid mehr mit ihnen, so schwer auch ihre Lebensbedingungen sind. Litauische Jungens sind es, die bereits ein Stück Land bebaut haben, das sie vorher entsteint haben, eben haben sie ein neues Stück Land zum Entsteinen in Angriff genommen. Und es wird eine Zeit vergehen, ein Jahr, und es werden neue Früchte von Arbeit zu sehen sein, und es werden wieder Jahre vergehen und mitten in

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