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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 388

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Aus den Urkunden der Bne Mosche
Date
1916-09-01
Page
388 (sequence 3)
Language
German
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388 Aus den Urkunden der Bne Mosche 4* Aber nichts kann vor dem Glauben bestehen! Trotz aller dieser Erscheinungen gibt es in unserer Mitte wahrhafte Nationalisten, die mit dem ganzen Herzen an die Wiedergeburt des Volkes glauben und in Wahrheit bereit sind, ihr Opfer zu bringen, nicht nur Worte der Lippen, sondern einen ansehnlichen Teil ihrer Eigenliebe und ihres Ansehens, ihrer Ruhe und ihres Vermögens. Nicht daß sie ihre Augen verschließen, um das Schlechte nicht zu sehen, und freudigen Herzens rufen: „Friede, Friede!" —- im Gegenteil: sie sehen die Verwirrung in Israel, die Erstarrung, die in allen Herzen herrscht, und wissen, daß es keine Nationalisten ohne Volk und kein Volk ohne nationales Gefühl gibt. Aber da ihre Seele von Jugend an der Seele ihres Volkes verbunden ist und ihre Liebe zu ihm ihren Glauben an es stärkt, darum sinnen sie, statt alle Hoffnung verloren zu geben, alle Tage, wie man sein Herz zur Wiederbelebung erwecken könne, damit es fühle und wolle, glaube und handle. — Solche Nationalisten gibt es in unserer Mitte, aber da sie zerstreut und von verschiedenen Gruppen aufgesogen sind und einer den anderen nicht kennt, wird ihr Tun nicht gesehen, und ihre Stimme nicht gehört vor dem Lärm der anderen Nationalisten. Jeder von ihnen trägt in den Tiefen seines Herzens seinen Glauben und seine Hoffnung, und heimlich baut seine Phantasie Welten und tröstet sich mit ihnen über all das, was seine Augen sehen, da es nicht in der Kraft seiner Hand ist, weder Kleines noch Großes zu tun. Aber wenn diese Männer, wo sie auch sein mögen, sich zu einem Bund vereinen würden, so daß einer den anderen darin unterstützen könnte, auf den Geist des Volkes in ihrem Sinne zu wirken, wer weiß, ob es ihnen dann im Laufe der Zeit nicht gelingen könnte, ihm ihren Geist zu geben und ihm wieder die sittlichen Eigenschaften zu verleihen, ohne die ein Volk nicht bestehen kann? Und wer weiß, ob dann nicht im Herzen des ganzen Volkes, als wäre es ein Mann, der Wunsch erwachte, den Staub von sich zu schütteln und wieder ein ehrenhaftes und ruhiges Leben im Lande unserer Väter zu führen? Und wer kann das Ende der Dinge voraussehen? — 5. Ein solcher Bund wird zwar nach dem höchsten Ziele streben: — nach dem Lande unserer Väter. Mit sieben Augen wird er blicken und alles beobachten, was dort geschieht, und vorsichtig und bedachtsam sich bemühen, alles, was andere dort falsch gemacht haben, zu verbessern und auch selbst ganze und vollkommene Taten nach Kräften zu vollbringen. Trotzdem wird er, da er weiß, daß, um Großes auszurichten, ein dessen würdiges Geschlecht not tut, ihr Augenmerk nicht ausschließlich dem Lande zuwenden, sondern auch dem Volke, wird sein Streben, nicht nur zu bauen, sondern auch zu pflanzen sein, nicht nur mit der Kraft der Hände, sondern auch mit dem Geiste. Zuallererst muß er sich Herzen gewinnen und durch moralische Mittel seinem Namen und seiner Bestimmung Sympathien bei den Menschen erwecken. Das heißt, er muß den Sinn des „Nationalismus" erweitern und ihn zu einem hohen und erhabenen Begriff machen, zu einem ethischen Ideal, in dessen Mittelpunkt —j die Liebe zu Israel und an dessen Umkreis jede Tugend und jede wertvolle Eigenschaft steht; er muß dem Wort „Nationalist" die materielle Form, die es jetzt hat — so daß jeder, der sich so nennen will, sich mit seinem Groschen an einer bekannten Büchse beteiligt und sich so nennt — nehmen und es in die Höhe eines vom Volke geachteten und geliebten ethischen Begriffes heben, dessen nicht jeder würdig ist und der seinen Träger ver-

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