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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 384

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Priester ohne Volk
Date
1916-09-01
Page
384 (sequence 7)
Language
German
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334 A. Robinsohn: die Lage der bestehenden Kolonisation in Palästina hatte ihm die offene und versteckte Gegnerschaft der Chowewe Zion zugezogen. Vor ihren Augen begann das Strohfeuer einer neuen Hoffnung aufzuflackern: Baron Rothschild hatte ein Komitee für Bodenankauf in Palästina mit Erlaubnis der türkischen Regierung gegründet. Da war ihnen die Kritik Achad Haams besonders unbequem. Der Kampf zwischen den Chowewe Zion und den Bne Mosche wurde immer erbitterter und absorbierte die Kräfte des Bundes. Die letzten drei Jahre der Bne Mosche, die Jahre 1893 bis 1896, von der Überführung der Zentrale nach Palästina bis zu ihrem Zerfall, füllen außerdem ununterbrochene Fehden gegen die Orthodoxie und die Chalukaklique in und außerhalb Palästinas. Achad Haam deutet dies nur an, wie er es überhaupt hier, wie überall, vermeidet, Personen in die Debatte zu ziehen. In der Monographie von Tschernowitz nimmt die Darstellung dieser Kämpfe einen sehr breiten Raum ein. Den Höhepunkt bezeichnet eine Denunziation der Chalukaklique bei der türkischen Regierung gegen Ben-Jehuda und seinen Schwiegervater Jonas. Dieser hatte zur Chanuka-Feier in der Zeitung „Hazewi" einen begeisterten Artikel veröffentlicht, und es gelang den Chalukaleuten, diesen harmlosen Festartikel als einen Aufruf zur Revolution hinzustellen. Ben-Jehuda und sein Schwiegervater wurden zu einem Jahr Kerker verurteilt Viel kleinere, an Zahl und Bedeutung kleinere Organisationen als die Bne Mosche haben schlimmere Verfolgungen mit mehr Gleichmut und ohne innere Erschütterung durchgehalten. Ja, Kämpfe pflegen sonst, besonders in solchen Geheimverbänden, neue, ungeahnte Energien auszulösen, sie zusammenzuschmieden und zu stählen. Auf den Bne-Mosche-Bund haben sie schwächend und zersetzend gewirkt. Es drängt sich die Überzeugung auf, der Grund hierfür sei, daß die Strömungen, gegen den er anzukämpfen hatte, in ihm selbst, mitunter durch markante Repräsentanten, vertreten waren. Diesen organischen Fehler hatte Achad Haam schon bald nach der Gründung des Bundes gesehen und vergebens zu heilen versucht. ,,Unsere Fahne — schrieb er —■ befindet sich in den Händen von zwei entgegengesetzten Gruppen und jede zieht sie an sich. Sie wird reißen, wenn die eine nicht ablassen wird." Die Verquickung der nationalen Idee mit der Religion und andererseits mit einer nicht weniger prinzipienstarren Irreligiosität — diese und andere Richtungen standen sich im Bund selbst gegenüber. Daher Reibungen unter den Brüdern, daher die häufige Verlegung des Zentrums, daher die Verzweiflung des Führers. Nach kaum sechs Jahren sprach der Schöpfer des Bundes über seine Schöpfung das Todesurteil aus. In der zweiten Hälfte des Jahres 5656 {1896) schreibt er an die Logen in Warschau und in Wilna — wo inzwischen eine zweite Nebenzentrale entstanden war —: ,,Da wir nun einmal so gesunken sind, daß viele der besten unter uns in unserem Bunde jenes Ideal, das ihnen vorschwebte, als sie sich ihm anschlössen, suchen und nicht i'mden — müssen wir alle, auch die, die ihn in einem andern Lichte sehen, gestehen, daß dieser Niedergang den Tod bedeutet. In einem solchen Zustande gibt es keine Hoffnung mehr, daß er sich noch zu einem wirklichen Leben aufraffen wird. Besser für uns alle, besser für die Chibath Zion, besser für das Ideal, das wir auf unsere Fahne geschrieben, das Ende unseres Bundes mit eigenen Händen zu beschleunigen, um nicht zwecklos den Schmerz der Agonie zu verlängern/' Ein so grausamer, aber schöner Tod war dem Bne-Mosche-Bund nicht beschieden. Die Logen fanden nicht den Mut, ihr selbst den Tod zu geben. Auf

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