Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 6 (September 1916)
- Article
- Priester ohne Volk
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 383 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Priester ohne Volk 383 eine reinliche Trennung zwischen dem Komitee und der Gesellschaft herbeizuführen. Am 11. Adar 5652 (1892) schreibt er an die Zentrale in Warschau: „Wenn wir leben und in Übereinstimmung mit unseren Grundsätzen etwas Nützliches schaffen wollen, dann müssen wir vom Komitee und allen seinen Taten hier und im Lande absehen. Möge es und seine ganze Umgebung im Namen alles dessen, was ihnen teuer ist, gehen. Wir wollen im Namen unseres Ideals uns mit Dingen beschäftigen, die unserm Ziele entsprechen." Es kam zu keinem offenen Bruche. Die Bne Mosche blieben im Lager, setzten die gemeinsame Arbeit fort, ließen aber ihr eigenes Ziel, den Taten, die von dem offiziellen Chowewe Zion ausgingen, ihren Stempel aufzudrücken, nicht aus den Augen. Das Jahr 5653 (1893) findet die Bne Mosche auf dem Gipfel ihrer Leistungen- Sie hatten sich auf viele Städte in Rußland und außerhalb Rußlands ausgebreitet und nebst der allgemeinen chowewe-zionistischen Arbeit sich als ihr eigenstes Arbeitsfeld den Ausbau der nationalen Erziehungsinstitute in Palästina und außerhalb als ihr eigenstes Arbeitsfeld ausersehen. Die Leiter der ersten hebräischen Schule in Palästina waren Bne Mosche, in den Kolonien gründeten oder unterstützten sie eine Reihe von Schulen, taten viel für die Ausbreitung des Hebräischen als Konversationssprache, Auch in Rußland gründeten sie in einigen großen Städten Schulen, in denen die jüdischen Lehrgegenstände in hebräischer Sprache unterrichtet wurden. Dies waren die ersten Vorläufer der „Muster-Chedarim". Die Bne Mosche betätigten sich auch auf literarischem Gebiete, legten den Grund zur Verlagsgesellschaft „Achiassaf", indirekt auch zum Verlage „Tuschijah", die einen Markstein in der Entwicklung der neuesten hebräischen Literatur bilden. Kaum hatten die Bne Mosche ihr eigentliches Arbeitsgebiet, das Gebiet der jüdischen Kultur in Palästina gefunden, da erstand ihnen naturgemäß eine unerbittliche Gegnerschaft in den streng orthodoxen Kreisen Palästinas. Diese begannen vermittels einer unterirdischen Presse durch anonyme Pamphlete das Ansehen der Bne Mosche in Palästina und in Rußland systematisch zu untergraben. Die Bne Mosche wehrten sich aus der Ferne, so gut sie konnten, bis sie endlich, im Anfang des Jahres 5653 (1893) m einer Konferenz in Warschau, an der sich auch Achad Haam beteiligte, beschlossen, die Zentrale nach dem Lande ihrer Tätigkeit, nach Palästina zu verlegen. Um den Gegnern einen der sichersten Angriffspunkte zu nehmen, sollte der Geheimorden zu einer öffentlichen Vereinigung umgestaltet werden. Die Zentrale wurde in Jaffa gegründet. Nach wenigen Monaten kam Achad Haam wieder nach Palästina, und mußte er auch von seiner Absicht, im Lande zu bleiben, Abstand nehmen, so genügten ihm doch die wenigen Monate, die er dort zubrachte, einen tiefen Einblick in die Kolonisationsverhältnisse, in die Mängel der gegenwärtigen, wie in die Möglichkeiten einer zukünftigen Arbeit zu gewinnen. Gar manche Erkenntnis, zu der sich die zionistische Bewegung erst nach langen Irrungen emporgerungen hat, ist in seinem Berichte über diese Reise*) klar aufgedeckt oder zumindest in den Hauptzügen angedeutet. Von Palästina ging Achad Haam nach Paris, um jene Vereinigung aller Kolonisationsvereine, die ein Jahr vorher gescheitert war, wieder in die Wege zu leiten; aber es gelang ihm, trotz mancher Erfolge, nicht. Sein unerbittliches Urteil über *) AI Paraschath Derachim Band I, S. 53ff.: Wahrheit aus Palästina II. Aufsatz.