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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 382

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Priester ohne Volk
Date
1916-09-01
Page
382 (sequence 5)
Language
German
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382 A. Robinsohn: und bauen es wieder auf. Aber wenn ein Volk verwüstet wird — wer mag ihm beistehen? Woher soll ihm Hilfe kommen?" Zu dieser verzweifelten Stimmung Achad Haams hat wohl am meisten beigetragen, daß er in Palästina zusehen mußte, wie die Bne Mosche mit in den Strom hineingezerrt wurden: anstatt die überstürzten und nicht immer aus lauteren Motiven hervorgegangenen Unternehmungen zu bekämpfen, nahmen sie selbst daran teil. „Mein Glaube an die sittliche Kraft des Bundes — so schreibt er aus Jerusalem an die Leitung in Warschau — und an meine Fähigkeit, an seiner Spitze zu stehen, wankte, und nach langen Erwägungen beschloß ich, daß ich in meinem gegen» wärtigenSeelenzustande nicht länger der Leiter, der die Verantwortung für alle Handlungen trägt, sein dürfe/' Nach Rußland zurückgekehrt, konnte er aber dem Drängen seiner Freunde, an der Spitze des Bundes zu bleiben, nicht widerstehen. Es kam zu einem Kompromiß: die faktische Leitung ging in die Hand einer zentralen Loge über, Achad Haam fungierte nur formell als Oberhaupt und hatte die Leitung zu beaufsichtigen. So behielt die Loge in Warschau („Jeschurun") die Führung in Händen. Eine Weile arbeitete diese Zentrale mit Energie, und es gelang ihr auch, die Organisation viel strammer und einheitlicher auszugestalten, als es die Odessa er Leitung vermocht hatte. Die Loge „Jeschurun" schaltete aus den Satzungen des Bundes manches Zeremoniell, das die Aufnahme erschwert hatte, aus, beschränkte sich auf wenige wesentliche Leitsätze, achtete aber darauf, daß, die sich dem Bunde anschlössen, diesen auch nachlebten. Aber die Ereignisse von außen ließen ihr keine Zeit, sich zu entwickeln. Der Zusammenbruch der überstürzten Kolonisationspläne hatte für eine kurze Zeit eine bis an Verzweiflung grenzende Reaktion unter den Chowewe Zion hervorgerufen. Sie hatten sich jedoch wieder zu neuen Plänen aufgerafft: eine große Organisation zum Bodenankauf, zur Gründung einer Agrarbank, zur Organisierung der Einwanderung nach Palästina sollte geschaffen werden. Es schien, als ob auf den Zusammenbruch wieder ein Aufschwung folgen würde. Die Chowewe Zion im Verein mit Vertretern der Bne Mosche gingen nach Paris, traten an den Baron Hirsch heran, legten ihm ihre Pläne vor und gewannen seine Zustimmung. In kurzer Zeit gelang es ihnen, alle großen jüdischen Organisationen, sowie viele bedeutende Männer zu sammeln, und auf den Wunsch des Baron Hirsch fand am Ii. September 1891 in Paris unter dem Vorsitz des Rabbiner Zadok Kahn eine Konferenz zur Gründung einer allgemeinen Zentrale für die Kolonisation statt. Doch der Traum der Vereinigung der Kräfte war bald ausgeträumt, der Baron Hirsch wandte sich der Kolonisation in Argentinien zu und brach alle Verhandlungen mit den Chowewe Zion ab. Angesichts der großen Perspektiven hatten sich die Bne Mosche zu einer innigen gemeinsamen Arbeit mit den Chowewe Zion zusammengefunden; als die Hoffnungen aber fehlschlugen und die Katastrophe in der Kolonisation Palästinas immer schärfere und verhängnisvollere Formen annahm, entstand ein Riß zwischen ihnen, der immer größer wurde und zu offenen und noch mehr versteckten Kämpfen führte. Das Odessaer Komitee war bestrebt, jede Schuld an dem Zusammenbruch der Kolonisation von sich abzuwälzen und den Bund Bne Mosche als den Sündenbock hinzustellen. Achad Haam, der, soweit die Schuld die Bne Mosche wirklich traf, diese nicht in Schutz zu nehmen pflegte, sie vielmehr selbst mit der ihm eigenen Unbestechlichkeit verurteilte, wehrte sich scharf gegen die ungerechten Beschuldigungen der offiziellen Chowewe Zion und gedachte,

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