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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 369

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Der Zionismus Achad Haams
Date
1916-09-01
Page
369 (sequence 3)
Language
German
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Der Zionismus Achad Haams 369 schaft in der nachgeahmten, wofern es ihr nicht gelingt, die fremde geistige Kraft, durch welche sie ursprünglich zur „Selbstentäußerung" getrieben wurde, eigenschöpferisch zu verwerten: sich ihrer zu bedienen, um ihren eigenen Geist auf ebensolche Weise auszuprägen, wie es der Nachgeahmte gemäß seinem Geiste getan hatte". Vermittels dieser Nachahmung in Form des Wettbewerbs" vermag die „Nachahmung der Selbstentäußerung" aufgehoben und sogar das nationale Selbstgefühl noch bedeutend gestärkt zu werden. Wie zahlreiche Symptome erkennen lassen, ist es der Judenheit teilweise schon gelungen, auf solche Art die gefährliche Phase der „Assimilation" zu überwinden. Unter normalen Verhältnissen wäre damit das nationale Ich gerettet. Dem jüdischen Volke wird aber infolge seiner abnormen Lage der neue Zustand, die „Nachahmung in Form des Wettbewerbs", erst recht verderblich. Nachdem die Judenheit über alle Welt hin zerstreut lebt, muß die wetteifernde Nachahmung in jedem Lande anders beschaffen sein, je nach der herrschenden Landeskultur. So geht die Ein- -^«v^^^c^--^^__^ hjei4L.de sJ-üdischen Volkes und Volkstums notwendig verloren. Daher könnte es geschehen, daß im Laufe'der~Zeit*' das' jüdische" Volk> nrcB¥*mehf' eirTTölk~wäre, sondern wie am Anfang seines nationalen Daseins in eine Reihe vereinzelter Stamme-_ zersplitterte; daß es zahlreiche „Judentümer" gäbe, „von denen jedes einen anderen Charakter trüge und ein anderes Leben führte, je nach dem Land, in dem die Juden wohnen".*) Hier-ist also der Punkt, von dem aus die Zukunft des jüdischen Volkes schwer be<^ht^ß.chQinti Jetzt erst können wir Klarheit darüber gewinne^ wäs^dergeistige Zionismus eigentlich will. Achad Haam sieht^daß infolge der wach^ urj^äußeren gegenseitigenJLntfremdi^^ das jüdischeJ*Z"plk^ allmählich sein ,,Ich" verlieren mußjund damit seine Existenz als besondere historische^Nationalgemeinschaft überhaupt. „Dann^ findet er die nationale Gefahr. Und von diesem Gesichtspunkt aus stellt er die Frage: Wie kann die Zerrissenheit und Zersplitterung der modernen Judenheit, die fortschreitende Auflösung der jüdischen Volkseinheit, der Zerfall des Volksganzen in vereinzelte, zusammenhanglose Sondergruppen überwunden werden? „Gibt es keinen Ausweg und keine Mittel, die Verstreuten zu sammeln, die Getrennten zu einigen, unserem Volke die Seele wiederzugeben, welche?«**) _?^k„iyied^ der jgeistj^^orAisrnus unmittelbar nur ein „Gegenwartsideal". Fürs erste will er die ge^hrdei^Einh^it der jMis<chftn .Gemeinschaft retten, um dadurch den Fortbestand und eine normale Entwicklung des jüdischen Volkes für die fernere Zukunft zu ermöglichen und zu sichern. Alle Fragen, welche die „fernere Zukunft" selbst betreffen, überläßt er den späteren Generationen zur Beantwortung. Ein letztes „Endideal" gibt es freilich auch für ihn: das messianische. Zukunftsbi^2^I}^^T^T^Bestandteil ^es historischen^JMis^J?!^^^" J^äs-jGerade weil Achad Haam hierin das bleibendeTletzte „Endideal" des jüdiscEen Volkes erblickt, kann er der heute aktuellen Frage nach der Zukunft, nach der Erhaltung und Neubelebung des jüdischen Volkes, nur zeitliche Bedeutung beimessen und ebenso ihrer Beantwortung. Das Problem des^ geistigen Zionismus,ist.ein^praktisches_Gegenwartsproblem, das seine praktische Lösung für die nahe Zukunft *) APD I S. 169—177; II S.28. **) APD I S, 24/25. Vgl. ferner I S.81, 96; HI S. XI, 53. Heft 6, 26

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