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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 381

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Zur Frage der Frauenarbeit
Date
1921-01-01
Page
381 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Frauenfragen 381 liebem und weiblichem Können, auch In den schwersten körperlichen Arbelten, und stellen sich in jeder Arbeit an die Seite ihrer männlichen Genossen. Es gibt viele Mädchen, die sich zu den schwersten Arbeiten — Steineklopfen, Maurerei usw. — geradezu drängen. Das geschieht keineswegs, wie vielfach Im europäischen Berufskampfe, mit dem Hintergedanken, sich durch die gleichen Arbeitsleistungen gleiche bürgerliche Rechte zu erkaufen; dieses Streben nach schwerster Männerarbeit ist auch, abgesehen von gewissen Fällen, keine notgedrungene Maßnahme im Kampfe um das Brot; sondern es ist geboren aus einer heißen Liebe zum Lande, aus der Bereitschaft, für das ersehnte Ziel Opfer an Kraft und- Bequemlichkeit zu bringen, und insofern steht es weit über dem frauenrechtlichen Gebaren, das sich vielerorts in Europa zeigt. Aber es fragt sich doch, ob es der richtige Weg zum Ziel — zum Ziel des fruchtbarsten Dienstes am Lande ist Überäll,wo Kwuzoth mit Mitgliedern beider Geschlechter bei den Regierungsarbeiten tätig sind, hört man seitens der Männer die Klage, daß die Chaweroth in ihren Leistungen hinter ihnen zurückbleiben und dadurch den Stand der Gesamtleistung herabdrücken. Lange Zeit haben die Mädchen diesen Vorwurf zurückgewiesen und haben darauf bestanden, sich weiter mit den schwersteh körperlichen Arbeiten zu befassen. Erst als infolge der Unzufriedenheit auf Seiten der männlichen Kollegen in vielen Kwuzoth die Stellung der Mädchen ganz unerträglich wurde, ist eine große Schar von Frauen — unter ihnen die wertvollsten, bewährtesten Arbeiterinnen des Landes — zu der Einsicht gelangt, daß es notwendig ist, die volle Gleichberechtigung der Frau in der Arbeit wohl im Prinzip zu verlangen, in der Praxis aber auf seine volle Durchführung zu verzichten. Ein großer Schritt zur Erkenntnis dieser Wahrheit wurde schon auf der Arbeiterinnen- Konferenz getan, die im vorigen Frühling in Balfouria stattfand. Fast alle Frauen, die an ihr teilnahmen, waren mit der Absicht gekommen, sich in keiner Beziehung von den männlichen Genossen zu trennen. Aber die Berichte über die Stellung der Chaweroth in den einzelnen Kwuzoth, die dann erstattet wurden, ergaben ein so vollständiges Bild von den vergeblichen Ringen der Frauen um Gleichwertigkeit mit den Männern in der Arbeit und um Anerkennung dieser Gleichwertigkeit durch die Männer, sie erzählten so übereinstimmend von Unstimmigkeiten in den Kwuzoth wegen dieser Frage, daß man schließlich nicht anders konnte als die bestehende Verschiedenheit anerkennen. Schon auf dieser Konferenz wurde durch <»e bewährte Palästina-Arbeiterin Hannah Meisl-Schochat der Weg angedeutet, auf dem die Frauen Leistungen, die denen der Männer an Wert nicht nachstehen, hervorbringen können; indem sie sich auf besondren, unentbehrlichen Arbeitsgebieten spezialisieren. Das Streben der Frauen nach Mitarbeit in den bisher den Männern vorbehaltenen Arbeltszweigen hat dazu geführt, daß lange Zeit hindurch gewisse, bisher fast ausschließlich von Frauen besorgte Arbeiten bei den Chaluzoth verpönt waren. Statt an den Kochherd und die Nähmaschine zu gehen, stellten sie sich Schulter an Schulter mit den Männern in den Steinbruch, auf das Baugerüst, an die Chausseearbeit. Unter dein dadurch eintretenden Mangel an Köchinnen, Wäscherinnen, Näherinnen litten die Kwuzoth, und — die Reputation der Frauen als Mitarbeiterinnen am palästinensischen Werk gewann keineswegs. Von einigen einsichtsvollen Frauen, an erster Stelle der zuvor genannten, wurde deshalb energisch darauf hingearbeitet, die Frauen Palästinas zu den traditionell weiblichen Berufen zurückzuführen Und^ ihnen eine möglichst gute technische Ausbildung darin zu geben. Schon die Balfouria - Konferenz gelangte, nach heftigen Meinungskämpfen, zu einer Anerkennung , dieses Prinzips und zog auch gleich praktische Folgerungen daraus, -indem sie sich für die Einrichtung von K och kursen und einer M ädchenfarm aussprach, in der besonders die leichteren Zweige der Landwirtschaft, wie Gemüsebau, Kleinvieh- und Bienenzucht betrieben werden sollen. Seither hat man, soweit es die Mittel gestatteten, zielbewußt in dieser Richtung weitergearbeitet. Die Uebernahme des Kochens und bestimmter Zweige der Ländwirtschaft ist natürlich nur ein erster Schritt auf dem eingeschlagenen Wege. Nur einem im Verhältnis zu den Männern geringen Prozentsatz Frauen kann durch diese Berufe Arbeit in den Kwuzoth verschafft werden, während es doch in vieler Hinsicht wünschenswert erscheint, daß die Zahl der Frauen in den einzelnen Siedlungen etwa derjenigen der Männer entspreche. Es lassen sich aber viele weitere Schritte in der angegebenen Richtung tun. Die größeren Kwuzoth, die sich im Lande oder schon im Auslande organisieren, tun es heute vielfach in der Weise, daß sie für alle ihre inneren Bedürfnisse Vorsorgen, indem sie neben den Arbeitern auch den Arzt oder Heilgehilfen, den Tischler, Schlosser, Schneider, Schuster, Bäcker und Lehrer in die Zahl ihrer Mitglieder aufnehmen. Es sollte von den Frauen ernstlich erwogen werden, ob sie nicht — abgesehen von der Spezialisierung in Garten- und Gemüsebau, Kleinvieh-, Geflügel- und Bienenzucht sowie Milchwirtschaft — auf diese besonderen Funktionen in der Kwuzah Anspruch erheben sollten. Sie würden dadurch dem leidigen

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