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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Von nationaler Bereitschaft der Intellektuellen
Date
1921-01-01
Page
371 (sequence 5)
Language
German
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Von nationaler Bereitschaft der Intellektuellen 37* wachsen und vermöchten, so wie sie jetzt sind, das Volk in ihren Bann zu zwingen als ein Lebendiges, selber Wollendes. Es muß daher mit dem Gerede, mit dem hier eine Partei die andere herabzusetzen sucht, als habe gerade sie die großen Massen hinter sich, mit aller Entschiedenheit aufgeräumt werden, und das bittere Wort, muß fallen, daß-das Volkhinter den nationalen Parteien heute keinen Platz findet, sondern ohne Anteilnahme und Gläubigkeit ihren dem Nichtjüdischen entlehnten Spielen zusieht Wenn wir auch bereits eine nationale Bewegung haben, in der Europa sich vielfältig spiegelt— das Volk erkennt sein Jüdisches und seine wirklichen Möglichkeiten nicht darin. Es fühlt sich hier als ein Objekt, nicht viel anders als zu jenen Zeiten, da die Stadlunem und Philanthropen für es agierten. So wartet es in seiner rührenden Demut und unerschütterlich auf die Zeit, da begnadete Menschen ihm ein zündenderes Feuer in die verhaltene Glut seiner Seele werfen werden. Erst dann wird es erlaubt sein, das bedeutsame Wort von des Volkes Erhebung auszusagen. Dieses anmerkend, wollen wir hinter den unglaublichen Naivitäten und den oft erschreckenden Sünden gegen den Geist, die im Osten geschehen, hinter dem unangenehm sich vordrängenden Halbgebildetentum der Journalisten und der Volksredner nicht jene beachtenswerten ernsteren Gestalten übersehen, die sich bereits seit langem in der jüdischen Gasse erblicken lassen und diein den letzten Jahren genügend zahlreich waren, freie aktive Gruppen zu bilden. :■ Was hat es diesen stetig sich verstärkenden Schichten ermöglicht, sich so erstaunlich schnell aus den Fängen des noch immer gleisnerisch wirkenden Internationalismus, des Sozialismus und der übergewaltigen geistigen Strömungen des Russentums zu entziehen? Was hat es ermöglicht, daß manche Vertreter des jungen ostjüdischen Nationalismus überhaupt niemals nennenswert von den zur Assimilation treibenden Gewalten bedrängt waren, sondern beinahe kontinuierlich ihrem Volke treu verblieben sind? Doch in der Hauptsache dies, daß die bedeutsamen unterirdischen Gewichte, von denen ich im Vorigen sprach, die überwiegende Masse dieser Intellektuellen im Eigenvölkischen verankert halten; daß hier unaufhörlich etwas wirkend ist, das selbst in den Perioden der leidenschaftlichsten Artentäußerung als stumme Möglichkeit auf den Augenblick wartet, seine Sprache wieder zu gewinnen. Diese Bindungen mögen unrettbar verschüttet scheinen — sie sind es selbst bei den besten ostjüdischen Patrioden noch immer in einem beklagenswerten Masse —, austilgen lassen sie sich nicht, so wenig wie eine Jugend und ihre das Individuum formenden Eindrücke sich vergessen lassen. Denn das Volk selbst ist über diesen Individuuen in den entscheidenden Lebensjahren mächtig gewesen und hat ihnen unverkennbar in Geste, Tonfall und frühester Empfindungsart ein nachhaltiges Atmosphärisches übermittelt. Ob sie nun, rauh vom Antisemitismus zurückgestoßen oder von der steigenden Welle der nationalen Bewegung erfaßt, sich von den glänzenden Fahnen der Assimilation abwenden — die Heimkehr ist ihnen kein Mühsäliges und fällt ihnen ohne sonderlich gespannte Bemühung wie von -

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