Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Henri Franck
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 365 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Henri Franek 365 Und er wendet sich dem Lande zu, das ihm Freunde und Sprache gegeben hatte. Er singt Hymnen zum Lobe Frankreichs, in die sich alle Glut seines jungen Herzens und die adlige Pracht der durch Jahrhunderte von Meistern gebauten Sprache ergießen. Sein Preis gilt dem Mute und der Vernunft des Landes, das das auserwählte Volk des Okzidents beherbergt, den Erben Israels, den Träger der Revolution, der in der heißen Sonne des Juli einen Gott geboren hat wie einst Israel einen der Menschheit geschenkt hatte. Aber auch in diesem Volkei scheint der große, lebendige Gott erstorben, das Feuer erloschen, innere Streitigkeiten zerreißen das Land, Bereicherungssucht und Materialismus verderben seine Bürger, Mangel an Enthusiasmus und sittlicher Hoheitseine Jugend und die Stimmen der Reaktion rufen es zurück zu Thron und Altar, seinen ewigen Ruhm verleugnend. Es ist die Klage der Generation von 1910, die die Welt um sich kalt, seelenlos, aufschwungleer findet, die Klage, die in Frankreich am stärksten der größte Lehrer dieser Generation, Charles Pöguy, geformt hatte. Mit ihm teilt Henri Franck die Hoffnung auf ein > neues Frankreich voll der Glut der Revolution. Aber, das Frankreich von heute kann ihm ebensowenig Ende seiner Reise bedeuten wie das Israel des Verfalls: mutig geht er weiter, Gott suchen. Schon will ihn die Verzweiflung erfassen, alles erscheint ihm nutzlos und schal, aber hat er schon die ganze Erde erfaßt, das All? Ueberau kann Gott wohnen. Und die Bilder des noch jungen, Zukunft im Schöße bergenden Amerika, der Innenschau Indiens, der sonnengetränkten Schönheit Ozeaniens, der Mysterien Asiens tauchen vor seiner Sehnsucht auf. Aber auch dies lehnt er ab: nicht im Zufall romantischer Reisetage begegnet man Gott. All diese fremden Götter sind eitle Idole, deren Standbilder er nach der Vorschrift der Kinder Israels zu zerstören hat. Gott wohnt näher dem eigenen ich. Pour äpprocher mon Dieu, j'approfondis mon etre, C'est dans mon horizon que sa face peut luire Et les plus pres de moi sont les plus pres de lui. In sich selbst sucht er. Erreicht man Gott nicht am ehesten, wenn man aus seinem Innersten frei schöpferisch formt? Erreicht man Gott nicht, indem man Schöpfer wird wie er, Schöpfer einer unsichtbaren, aber dauerhaften Welt, wenn man dem ewig Vergänglichen das Bleibende des Kunstwerkes entgegensetzt? Aber um Dauerndes schaffen zu körinen, darf man nicht Gott suchen, man muß von Gott besessen sein, Instrument seiner Stimme, man muß mit dem Engel gerungen haben und von ihm besiegt worden sein. Er aber - will Gott kennen, seine Glut bleibt unvermindert, Da aber seine Suche vergebens scheint, da sein altes Volk, die bunte Schönheit der Natur, der Seelenfreund, die Kameraden, das Volk seines Landes, die Kulturen der Welt, der Rausch der Kunst,, da dies alles nur Etappen auf dem Wege waren, der endlos scheint, unterbricht er auf einem großen Platze seine Wanderung. Er will warten. Sein Feuer lodert nun auf dem großen Platze in der Stadt.'