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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Henri Franck
Date
1921-01-01
Page
361 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Henri Frariek 36l curieux de Philosophie comme un jeune Anglais de naissance est un joueur de golf". Aber die Philosophie ist ihm Erfassung, Umfassung der Außenwelt; nichts ist ihm fremd, sein Interesse wendet sich allen Problemen des Lebens zu, aber es bleibt nirgends an der Oberfläche. Es hebt Tiefen. „Schwer von Weisheit lacht es über den Spielen der Menschheit." , In den zwei Jahren ununterbrochener Krankheit schreibt er seine Dichtung: „Der Tanz vor der Arche". In dem strengen Heroismus dieser Seele, deren Ahnen ich Spinoza und Nietzsche genannt habe, findet sie keine sentimentale Anspielung auf den Zustand des siechenden Leibes, keinen Widerschein der stets erwachenden Hoffnungen, der immer neuen Entmutigungen, keine süße Schwermut des Abschiedes von den Festen des Lebens. Alle Oberfläche ist verbannt. Tiefe wird gehoben. Und aus der Tiefe gebiert sich sein geistiges Leben, das seine Dichtung formt: ein Jüngling, der den Tanz vor der Lade tanzt, den seine Ahnen getanzt haben, und den seine Unruhe, die Stimme des brennenden Dornbusches auf die Suche jagt, der unermüdlich Gott sucht und der stets wieder den geweihten Boden nur erblickt wie Moses vom Berge Nebo aus das gelobte Land. Da diese Dichtung aus der Tiefe stammt, ist sie die Dichtung seiner uralten Rasse, aber bedeutsam verwoben mit allem, was lebende Gegenwart rings um ihn gibt, und unermüdlich die Fackel der Hoffnung in die Zukunft richtend, in der Fülle seines Wesens Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereinend. 2. Die jüdischen Dichter des europäischen Abendlandes stellen eines der seltsamsten Dokumente der Menschheit dar. Dem einzigartigen Volke entsprossen, das Kunst und Spiele des Lebens der Gottsuche, staatliche" Existenz und politische Unabhängigkeit der seelischen Unzerstörbarkeit geopfert hatte, das durch ein ungeheures Paradoxon, das von Arnos bis Paulus sich ins Absurde steigert, ein ewiger Fremdling unter den Völkern geworden ist, sehen sie sich durch alle ihre kulturellen Bande, durch ihre Erziehung und ihre Liebe zu dieser grundsätzlich fremden Welt hingezogen. In nur wenigen aber erwacht das Bewußtsein ihrer Rasse und ihrer Zeit zugleich, nur ganz wenige aber haben verstanden, es in Dichtung zu formen, wie der große jüdische Dichter, der als moderner Franzose seiner Zeit schrieb: Henri Franck. Früh mag in dem Knaben der Stolz seiner Rasse erwacht sein. Viele jüdische Jünglinge träumen jenen messiatiischen Traum, den Jakob Wassermann in seinen „Juden von Zirndorf" am schönsten gestaltet hat, und der, schamhaft gehütete Glut der noch aufgeschlossenen Uebergangsjahre, im Mannesalter völlig ins Unterbewußtsein der Rasse wieder versinkt, um im Sohne neu zu erstehen. Die glühenden Bilder der Bibel, die Wüste, in der der Bornbusch brennt, sprechen zu ihm eine lebendige Sprache, erfüllen sein Herz mit ahnenden Schauern von der einzigartigen Auserwähltheit, rufen ihm Verpflichtungen zu. Die lange Arbeit seiner Ahnen erleichtert ihm den Weg: aus seinem Blute hebt er das Bewußtsein des Wesentlichen. Das Heft 6 24

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