Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Henri Franck
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 360 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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36o Hansr Kolin: Es war die Zeit, da Henri Bergson und zugleich der ihm in allem fast entgegengerichtete Charles Maurras einen Einfluß auf die Jugend gewannen, wie auf die Generation vorher Michelet, Renan oder Taine gehabt haben. Für die Moral Bergsons sind der Mut, die Gefahr, die schöpferische Neuflndung Tugenden, er predigt die Tat, die Geschichte als Werk des Menschen, eine stürmische Bejahung des Lebens. Und die Jugend, begierig nach dem brausenden Akkord;^ des Lebens, nach der hinreißender Schönheit der Tat, steht ratlos im Alltag, sucht Sicherheit des Weges, festen Boden für die Tat. Das gibt dieser, im Grunde romantischen, antiintellektualistischen Jugend Charles Maurras, der kühlste, skeptische, antiromantischste Intellektualist des heutigen Frankreich: er weist ihr den sicheren Boden egoistischen Nationalismus, -autoritärer Kirche und Monarchie, als eine Möglichkeit sich nicht schwärmend in idealen Träumen zu verlieren, sondern zu disziplinierter Tat, zu klassischer Schönheit zu gelangen. Zwei französische junge Publizisten, Henri Massis und Alfred de Tarde, haben damals unter der Jugend, die um 1890 geboren ist, eine Enquete veranstaltet, freilich ausschließlich unter der studierenden Jugend der wohlhabenden Klassen. Sie fanden vier leitende Ideen, die diese Jugend beherrschen: die Liebe zur Tat, den glühenden Patriotismus, eine Renaissance „ des Katholizismus und einen politischen Realismus. Und die Folgerung dieser Lehren hat einer der Befragten klar ausgesprochen: „L'existence que nous menons ne nous satisfait pas completement, parceque, si nous possedons tous les Clements d'une belle vie, nous ne pouvons les organiser dans une action pratique immediate qui nous prendrait corps et äme et nous jetterait hors de nous mSme. Cette action un seul evenement nous la permettra: la guerre; aussi la dösirons-nous." Henri Franck erliegt auch teilweise dem Einflüsse Bergsons, aber seine Gewissenhaftigkeit zwingt ihn Halt zu machen. Er lebt in seiner Zeit und er will mit ihr leben. Das Mysterium der Generation erfaßt auch ihn. „Le Premier devoir d'un jeune homme c'est d'etre de son temps. Son plus haut plaisir, c'est d'apprendre qu'il n'est pas un cri isole, un feu dans le desert." Aber er wirft sich dem Einflüsse der Veräußerlichung, der Verrohung, der unehrlichen Täuschung entgegen, die falsch verstandene Tatliebe, Sportlust, Kriegseifer bringen. Er setzt hier nicht die Linie Bergsons fort, sondern die Nietzsches und Spinozas. Sein Heroismus wird ein innerer, seine geistige Haltung von unbestechlich ehrlicher Klarheit. Er weiß, daß ein innerer Konflikt ebenso dramatisch ist wie eine Rauferei, eine intellektuelle Freundschaft eine ebenso starke Umarmung wie eine körperliche, daß Gefahren und Abenteuer, Haß und Liebe des Geistes ebenso tötlich und heftig sind wie physische. „Seule la pensäe existe, et la musique, et les passions d'intelligence." Wahrt er so zugleich das Beste französischer Kultur, so weiß er sich doch in dieser Richtung tiefer verbunden. In seinen nicht veröffentlichten „Reflexions sur la Sorbonne", einer Erwiderung auf das oben erwähnte Buch von Massis und Tarde, sagt er: „Ne de la race royale (juive), je suis naturellement