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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
357 (sequence 12)
Language
German
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V Aus dem i^liglösen Leben der Ostjuden 357 wünscht, denn es war allgemein bekannt, daß, wer von dem aufgeregten Zaddik einen Streich erhielt, der erwarteten Hilfe siöher sein konnte. Es ist selbstverständlich, daß insofern das Leiden des Kranken ihm das Gehen bzw. das Reisen gestattet, er persönlich in Begleitung" eines Familienangehörigen den Zaddik aufsucht, um unmittelbar von ihm Rat und Segen zu empfangen; ist dies nicht möglich, dann begibt sich jemand aus dem engsten Familienkreise zum Zaddik, um ihm im Namen des Kranken Kwittel und Pidjon zu ^überreichen. In Fällen jedoch, wo Eile not tut, eine Reise zum Zaddik beim gefahrdrohenden Zustand des Kranken viel Zeit in Anspruch nehmen würde und es unmöglich ist jemand von den Angehörigen schnell genug hinzuschicken, dann wird der Zaddik durch Brief oder Depesche, bei gleichzeitiger Ueberweisung — oft auch auf telegraphischem Wege — des Pidjon, um Segen und Fürbitte für den Kranken angegangen. Solch ein Brief oder Depesche enthalten in der Regel den Text eines üblichen Kwittels, nur mit dem Unterschied, daß die Briefe immer hebräisch, die Depeschen mitunter mit Rücksicht auf postalische Vorschriften in einer profanen Sprache abgefaßt sind. Eine solche Depesche wird dann vom Gabbai, der als Sekretär des Zaddik fast immer die für ihn bestimmte Post übernimmt, auf ein Kwittel im üblichen hebräischen Text umgeschrieben und mitsamt dem Pidjon im Namen des Kranken dem Zaddik überreicht. Der schriftliche Verkehr mit dem Zaddik geht immer durch Vermittlung des Gabbai. Der Gabbai empfängt alle an den Zaddik gerichteten Briefe, Depeschen und Geldsendungen und übergibt sie ihm unter gleichzeitiger näheren Aufklärung, von wem sie kommen, da der Zaddik bei der oft sehr großen Anzahl der Hilfesuchenden nicht immer alle diejenigen kennt, die seinen Beistand suchen. Der Gabbai ist mitunter bezüglich der Wünsche mancher Bittsteller besser unterrichtet als der Zaddik. Die auf telegraphischem Wege gesandten Bitten d. h. Kwittel und Pidjonot, werden fast immer direkt an die Adresse des Zaddiks übersandt, was jedoch bei dep brieflichen Sendungen und Geldüberweisungen nicht immer, der Fall ist. Nur die dem Zaddik persönlich nahestehenden Chassidimerlauben sich, brieflich vorgetragene Bitten und Geldsendungen auf seinen Namen unmittelbar zu adressieren. Die der breiten Masse angehörende;!! Chassidim schicken zumeist Kwittel und Pidjon zu Händen des Gabbai. Spich ein Brief enthält dann neben den nötigen Angaben für das Kwittel gleichzeitig auch die Bitte an den Gabbai, er möge im Namen des Bittstellers Kwittel und Pidjon dem Zaddik überreichen und den Bittsteller vor ihm ganz besonders „maskir" sein, d. h. in Erinnerung bringen. Für das besondere Maskir-sein wird dem Gabbai neben dem Pidjon noch ein besonderer Betrag, je nach den Verhältnissen des Bittstellers beigeschlossen. Zur Symbolisierung des einst im Tempel zu Jerusalem beim Opferkultus früh und am Abend dargebrachten Räucherwerkes pflegten viele Zaddikim morgens und abends vor dem Gebet, behufs Erlangung einer für das Gebet erforderlichen gehobenen Stimmung, eine Pfeife,. Zigarre oder* Zigarette zu

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