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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
358 (sequence 13)
Language
German
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35» Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden rauchen. Während dieser Vorbereitungen (Hachanot) sucht der Zaddik still und in sich gekehrt die nötige Konzentration, Befreiung von der an die Materie gebundenen Gedankenund Sammlung für die im Gebet vorzutragenden Bitten zu gewinnen. Bei vielen Zaddikim ist es nun Brauch, daß der Gabbai in solchem Moment sich dem Zaddik nähert und zu seinem Ohr geneigt einzelne Bittsteller und ganz besonders Kranke „maskir" ist. So ein Maskir—sein lautet bei Kranken: „X ben (der Sohn) bezw. bat (die Tochter) der X ist schwer krank und braucht rachmim und eine „refuah schelemah" usw. Der Zaddik horcht ruhig und aufmerksam auf die Worte des Gabbai. Bei dieser Gelegenheit überblickt er auch .die Kwittel der besonders Hilfebedürftigen, die er vor sich im Gebetbuch angesammelt hat, um alle die Kranken und Hilfesuchenden in sein Gebet einzuschließen. In manchen dringenden und besonders wichtigen Fällen behält der Zaddik auch durch mehrere Tage so ein Kwittel in seinem Gebetbuch, um es während des Gebetes vor sich zu haben, damit darauf verzeichnete Hilfesuchende seinem Gedächtnis nicht entrückt werden. Ein Maskirsein durch den Gabbai erweist sich besonders in solchen Fällen notwendig, in denen der Bittsteller abwesend ist und durch den Gabbai beim Zaddik öfter erwähnt werden möchte.*) Nachdem der Gabbai im Namen des abwesenden Bittstellers Kwittel und Pidjon dem Zaddik übergeben hat, empfängt er von ihm die für jenen bestimmte Antwort. Der Gabbai berichtet nun an den Bittsteller, daß er Kwittel und Pidjon dem Zaddik übergeben habe, und übersendet gleichzeitig in dessen Namen und Auftrag den erteilten Segen und unter Umständen auch seinen Rat und Segullah für die Behandlung von Kranken bezw. auch Weisungen für andere Dinge, wie z. B. Abschlüsse in anderen Angelegenheiten, von Geschäften oder Heiratspartien u. dgl. In besonders dringenden Fällen, namentlich we sich um einen Kranken handelt, wird der Bericht von der Fürbitte und dem erteilten Segen, sowie die Hoffnung auf Genesung von Seiten des Zaddik auf telegraphischem Wege dem Bittsteller mitgeteilt. Der Zaddik schreibt Briefe nie persönlich, noch unterfertigt er solche, es sei denn, daß es sich um seine interne Familien- oder um öffentliche Angelegenheiten handelt. Im Verkehr zwischen dem Zaddik und seinen Chassidim schreibt immer der Gabbai in seinem Namen und fertigt: „Bipkudat ha-rab ha-zaddik" d. h. „Im Auftrag des Rabbi des Zaddiks" u. s. w. Ein vom Gabbai im Auftrage des Zaddiks gefertigter Brief hat beim Chassid dasselbe Gewicht, wie wenn er vom Zaddik selber geschrieben und unterzeichnet worden wäre. *) Ich selber habe in meiner Jugend bei einem Zaddik folgendes Maskirsein durch den Gabbai gehört: „X Sohn der Y hat eine erwachsene heiratsfähige Tochter und bittet Haschern jitbarech soll ihr bekarob (in nächster Zeit) den richtigen Siwug (Ehehälfte) zuschicken". Die Verheiratung einer erwachsenen Tochter ist eine der ernstesten Sorgen eines Ostjuden.

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