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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
350 (sequence 5)
Language
German
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35<> S a m'u el Rappaport: („E L" Gott. Buchstabenwert: 1 + 30 31) bei demjenigen, der den Akt des Pidjon Nefesch vorgenommen hat, und er darf über diese 31 Münzen nach seinem Belieben frei verfügen. Da eine gewissenhafte .und verständnisvolle Ausführung dieses „Pidjon Nefesch* ein einigermaßen kabbalistisches Wissen voraussetzt, wendet man sich gewöhnlich in solchen Fällen zwecks dessen Vornahme an den Ortsrabbiner oder sonst einen frommen und in derlei Dingen gewandten Mann. Die von den ursprünglichen 160 verbliebenen 31 Münzen bewahrt derjenige, der das „Pidjon Nefesch" vorgenommen hat, da er sie behalten darf, gewöhnlich l)ei sich. Sie sind ihm, wie schon bemerkt, als „Gnadengeschenk Gottes" gegeben und er kann zwar darüber frei, auch für profane Zwecke, verfügen, doch haftet an ihnen noch immer ein Schimmer geheimnisvoller Heiligkeit, da sie doch in der primären Summe der Zahl hundertundsechzig gewesen sind, die die Mittel gegeben hat, ein Menschenleben vom Tode auszulösen. Sie werden deshalb von vielen, zumal1 wenn der Kranke wirklich gesundet, überhaupt nicht verausgabt und wie ein Talisman Verwahrt. Außer dem obigen „Pidjon Nefesch" gibt es noch eine zweite, weniger komplizierte Art, der der Name des Kranken in seinem Zahlenwerte zugrunde liegt und die gleichfalls in vielen Gegenden sehr populär ist. Ihr Urheber soll kein geringerer als R. Moses ben Nachman (Ramban, 13. Jahrhundert) ein. (Siehe „Schern tob katan" von Benjamin Benisch ben Jehuda Leib genannt der Baal Schern aus Krotoschin, Czernowitz 1885, Blatt 29 B und 30 A.) Diese Art des Pidjon Nefesch beruht auf dem Glauben, daß nicht nur im Namen als solchen schon die geheimnisvolle Individualität und die Seelenwerte seines Trägers innewohnen, sondern in jedem einzelnen Buchstaben des Namens lebt gleichzeitig ein Stück des immanenten Wesens der Persönlichkeit. Durch das Auslösen, der Reihe nach, der einzelnen Buchstäben des Namens durch Summen von Münzeinheiten, die deren Zahlenwerte entsprechen, wird neben den Buchstaben auch der Name und gleichzeitig mit ihm auch sein Träger, der Kranke, vom Tode ausgelöst. Wie schon früher erwähnt, ist es nach alter jüdischer Tradition im Osten Sitte, in Krankheitsfällen auch einen besonders frommen und gottesfürchtigen Mann um Fürbitte beim Himmel für den Kranken anzugehen. Dieses Moment hat sich im Chassidismus in einer ganz eigentümlichen Art ^entwickelt und ganz besondere Formen geschaffen. In allen Lagen des Lebens, in schweren wie in frohen Tagen, sucht der Chassid den Weg zum Zaddik, aus dessen Munde er Segen, Trost und Zuversicht schöpft. Es ist nun selbstverständlich, daß in einem so ernsten Augenblick, wie im Krankheitsfall, der Chassid sich zu allererst an den Zaddik um Fürbitte wendet. Nicht allein gläubige Chassidim, sondern selbst Mitnagdim und nicht selten sogar Leute, die sonst gar keinen gesetzestreuen Lebenswandel führen, wenden sich in solchen Fällen um Hilfe an den Zaddik, vornehmlich wenn ihm der Ruf vorangeht, daß er schon nicht

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