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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 342

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Zur Schichtengliederung der israelitisch-jüdischen Gesellschaft
Date
1921-01-01
Page
342 (sequence 6)
Language
German
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342 Robert Weiß: Nichtanwendung des Gesetzes, die hauptsächlich den fremden Kauf leuten der Städte zugute kam. Kultisch galten die gerim als eine gesonderte Gruppe, deren Teilnahme an kultischen Handlungen und Festen im Laufe der Zeit erlaubt und gefordert wurde. Bis dahin konnten die gerim im Gegensatz zu tlen Sklaven unbeschnitten bleiben, waren daher rituell von den Israeliten geschieden. Wohl aber gilt für alle g&rim das Gebot der Sabathruhe. Die ärmeren Gruppen der görim sind wiederholt Gegenstand der Gesetzgebung, und die Linderung ihrer Notlage wird mit der Witwen- und Waisenfürsorge auf eine Stufe gestellt. Diese Gesetzespartien haben jedoch paränetischen Charakter: sie galten zwar als göttliches Gesetz, als Mahnung und Rat von mn% waren aber nicht menschliches Recht, dessen Nichtbefolgung vom Gemeinwesen bestraft wird. Die Stellung der gerim wird also mehr durch die Sozialethik als durch das Sozialrecht geschützt gewesen sein. Anders die Sklavengesetzgebung, die zum Teil den zwingenden Rechtscharakter eines präzisen ius humanuni aufweist. IV. Die Schichte der Sklaven in der israelitisch-jüdischen Gesellschaft verweist ethnographisch auf eine noch buntere Zusammensetzung als die der g&rim. Wir müssen vier Hauptgruppen von Sklaven unterscheiden und zwar: 1. die importierten Sklaven; 2. Teile der kriegsgefangenen und unterjochten Bevölkerung Kanaans und seiner Umländer; 3. hausgeborene Sklaven der ersten beiden Gruppen; 4. Sklaven israelitisch-jüdischer Abstammung. Diese letzte Gruppe kann wieder eingeteilt werden in die weitaus zahlreicheren freigeborenen Schuldsklaven und die weniger häufigen Israeliten, bezw. Juden, die seit der Geburt in Unfreiheit lebten. Über den Sklavenimport und über die ethnische Herkunft der von Händlern eingeführten Sklaven finden wir in der Bibel nur wenig Nachrichten. Auch die Ausgrabungen (Grabinschriften) haben meines Wissens bisher nichts zur Klarlegung dieser anthropologisch ungemein wichtigen Frage beigetragen. Vor allem fehlt in der Bibel, die doch sonst alle Gestalten des täglichen Lebens uns plastisch vorführt, der Sklavenhändler. Auf Grund der Erzählung von dem Verkaufe Josephs an die „ismaälitischen" Kaufleute werden wir wohl annehmen dürfen, daß die großen Karawanen gelegentlich auch Sklaven mitgeführt haben werden. Vom Sklavenhandel als ausschließlichen Berufszweig aber wissen die Quellen nichts. Große- Sklavenmärkte fanden in den bedeutenderen Städten Phöniziens statt, und von dort aus v/erden auch die meisten Importsklaven nach dem Hinterland Palästina eingeführt worden sein*). Genaueres wird uns über die zweite Gruppe von Sklaven, über die Kriegsgefangenen, berichtet. Jeder glücklich verlaufene Kriegszug bedeutete für die antiken Völker eine Bereicherung des Besitztumes an Menschen, Vieh und sonstiger Habe, und auch für die Israeliten-Juden gab es oft reichliche *) Vgl. Kraufl, Talmudische Archäologie Bd. II. S. 85.

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