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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 316

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
316 (sequence 18)
Language
German
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3*6 Moritz Heimann: seine Sünde! Sündigt wohl auch der Löwe, wenn er auf Raub geht? Gesegnet mein Löwe, mein Guter! Warum tut er mir kein Leid an? So könnte ich doch messen, an dem Leid könnte ich messen, welche Seligkeit er mir gegeben hat von dem Tage an, wo er sich regte in meinem Leib. Gesegnet seine Jugend, sein Wachen und sein Schlafen! Der Morgen ruft ihn ins Leben, und die Nacht löscht es ihm aus, und neugeboren ist er Tag für Tag. Ich aber weiß keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht; Schlaf ist wie Wachen; — und ist also die Jugend dahin? (Sie' versinkt noch tiefer in sich. Da kommt ein Mann in Wanderkleidung gegangen und bleibt, an seinem Stock sich haltend, stehen, es ist R. Akiba.) R. Akiba (nach einem langen Schweigen, mit fast heiserer Stimme): Der Friede Gottes sei mit dir, Weib! Jaltha (in tödlichem Schrecken zusammenfahrend): Wer bist du? R. Akiba: Ich bin ein Wandersmann. Jaltha: Kennst du deinen Weg nicht? R> Akiba: Dies ist das letzte Haus der Stadt, und ich glaubte nicht, daß noch Menschen wohnen so weit von Menschen. Nun sitzest du hier so allein auf der Schwelle. Mir ist, als sei nie ein Weib so allein gewesen. (Jaltha läßt ihr Haupt zurückfallen, so daß es im Licht des Mondes in seiner großen Verzückung sichtbar wird.) Jaltha: Ich weiß nicht, was das ist: allein. R. Akiba: Kommt Freundschaft und Verwandtschaft zu dir ins Haus? Jaltha: Freundschaft und Verwandtschaft, was das ist, das weiß ich nicht. R. Akiba: Hö, hö! Jaltha: Was stöhnst du, Mann? Hast du ein Leid? R. Akiba: Nie habe ich einen Menschen gesehen so allein sitzen wie dich. Jaltha (schüttelt den Kopf): Ich habe ja einen Sohn. Akiba (wieder mit demselben Stöhnen): Hö, hö! Wie alt ist er? Jaltha: Fast zwölf starke Jahre alt. /?. Akiba: Wie heißt er? Jaltha (mit einem Lächeln): Joseph ist sein Name; aber er sollte heißen Ismael oder Esau, denn, er ist ein Wilder vom Feld und jagt umher t und läßt sich kein Leitseil anlegen. R. Akiba: Geh, Weib, und erfülle dem Wanderer eine Bitte: ruf deinen Knaben heraus! Jaltha: Er ist noch nicht hier. Er ist noch nicht zurück; oft höre ich ihn nicht kommen, und er schläft auf der Schwelle und hütet mich. R. Akiba (tut einen Schritt näher, bleibt aber wieder an seinem Stock bebend stehen): Was ein Vater versäumt an seinem Kind, oder was er tut an ihm, vielleicht gilt das sehr gering'neben einem einzigen Lächeln und einer einzigen Träne seiner Mutter. Bist du denn eine Witwe? Jaltha: — Ja. Und was bist du, Wanderer? R. Akiba: Ich bin ein Gelehrter aus Jabne, berühmt unter seines Gleichen

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