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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 315

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
315 (sequence 17)
Language
German
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Das Weib des Akiba 315 inzwischen seinen Kauf gemacht hat, geht breitspurig und laut an ihnen vorbei und ab.) Bist du ein Zauberer? Der Prophet Elias (mit Blick und Stimme eines Versuchers): Ich bin ein Prophet, ein Wahrsager. Dieser Mann dort, der römische Soldat, wird heute Nacht sterben. Freust du dich darüber? R. Akiba: Als Pharao mit seinen Reitern und Wagen vom Schilfmeer verschlungen wurde, hüben die Engel einen Freudengesang an; aber Gott, der Herr, verwies es ihnen und sprach: meine Geschöpfe gehen unter, und ihr wollt jubeln? Der Prophet Elias: So eile und ruf ihn zurück und nimm ihn mit in dein Haus und errette ihn! R. Akiba: Kann auch ein Mensph gegen Gottes Willen? Der Prophet Elias: Tu deine Tat, dann erst erkenne Gottes Willen. R. Akiba (mit jäh ausbrechender Glut): So verderbe er denn, er und alle Feinde Israels! Der Prophet Elias: Alle? Sage mir, warum du Trauerkleidung trägst aut der Straße? R. Akiba: — Ich habe es wohl beinahe vergessen. Der Prophet Elias: Vergißt du so schnell? R. Akiba: Helfe mir Gott, ich vergesse nichts, und meine Seele ist schwer von ihrem Gedächtnis! Zu viel! Zu viel! Wo ist doch ein Festes im Fliessenden? (Während er dieses mit dem Blick zum Himmel gesagt hat, hat ihm der Prophet Elias seinen Wanderstecken in die Hand gedrückt und ist mit langen Schritten verschwunden.) R- Josita: Auf, auf, Hämmerchen, sei nicht müssig über leeren Gedanken! (Er hämmert an seiner Arbeit.) R. Akiba (gleichsam erwachend, geht näher, aber tritt nicht ganz in das Gewölbe ein): Sind sie alle weg, der Auswurf und der Abtrünnige und der Römer? Du mußt festere Nadeln machen, Josua. R- Josua: Sie haben immer gehalten, was sich halten ließ. Der Alte war ein Gewaltsmensch. Aber du hast ja seinen Stecken in der Hand, was willst du $amit? R* Akiba (besieht den Stecken): Ich will nach Hause gehen und ihn fragen. Friede sei mit dir, Josua! R Josua: Friede, Akiba, Friede, Friede! (Während er weiter hämmert, geht Akiba von dannen.) SechsteSzene. Vor der Hütte, In der Akiba gewohnt hat. Es ist Abend, der schnell zur völligen Dunkelheit wird; aber der Vollmond gibt bald sein körperliches, geheimnisvoll ödes, sehr helles Licht. Auf der Türschwelle sitzt Jalthay die Arme auf dem Schoß und den Oberkörper schwer darübergebeugt; dann hebt sie den Kopf und horcht in die Ferne. Jaltha: Wo der Jung' wieder bleibt — (senkt wieder das Haupt. Lange Pause.) Wohl ihm in seiner Jugend! Wohl ihm in den Feldern! Gesegnet sein schweifender Fuß! Gesegnet sein trotziger Sinn! Auf mich, auf mich 21*

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