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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 314

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
314 (sequence 16)
Language
German
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314 Moritz H e Im an n : Der Prophet Elias: Bist du ein Spängier? Verkaufe mir sieben starke Nadeln. R. Josua: Dies sind die gröbsten. Der Prophet Elias: Ich will sie erproben, ob sie halten. (Er nimmt eine nach der andern und steckt sie durch seinen Burnus, jede zerbricht.) Deine Ware ist nicht gut. R. Jostta: Das ist mir noch nicht begegnet! Der Prophet Elias: Fühle dieses Kleid! es ist nicht gröber als ein andres. Sieh diese Hände! Du wirst nicht sagen, daß sie ungeschickt sind. Du machst schlechte Nadeln, Spängier! (Er sieht wieder einen nach dem andern an, zuletzt und auffallend lange Akiba.) Geh mit mir bis auf die Mitte der Straße! (Akiba folgt ihm.) R. Josua: Du hast mir eine Münze auf den Amboß gelegt, aber ich nehme nichts für untaugliche Ware. Der Prophet Elias: Gut. Gib sie dem Bedürftigsten unter euch. Der Soldat: Ich habe mehr als ihr alle zusammen. Der blinde Mann: Ich werde essen und trinken, was brauche ich euer Geld? R. Akiba (sich umwendend): Nimm sie, Abuja! Du hast nicht geben wollen, so nimm und rette deine Seele. Abuja: Soll ich eure guten Werke vermehren? Meinen Fluch lege ich auf das Almosen, — es wird Israel verderben. Bin ich der Bedürftigste von Allen? Aber euer will ich wahrlich nicht bedürfen! (Er geht hastig und eilend ab, an Akiba und Elias vorbei, die Straße nach rechts.) R. Josua (in Verlegenheit mit der Münze): Kinderchen, will keins von euch einen Groschen haben? (Die Kinder weichen zurück und machen sich davon.) R. Jose: Gib mir das Geld, Josua. (Er empfängt es und führt den Mann weg, hinter dem das Weib sich gleichsam versteckt hält. Rabbi Josua setzt sich hinter den Amboß.) Der Prophet Elias (in der Mitte der Straße): Warum glaubtest du jenen jungen Menschen den Bedürftigsten? Kam dir der Gedanke nicht, du möchtest es sein? R. Akiba: Er wird ein Aergernis in Israel werden, ein Abtrünniger von der Lehre, und daß ich ihn zur Demut mahnte, war meine ietzte brüderliche Warnung. Der Prophet Elias: Ob einer bedürftig sei, weiß nur er allein. R Akiba: Hätte ich sollen das Geld nehmen? Der Prophet Elias: Jetzt aber wäre dir wohl, wenn du die Münze trügest in dein Hemd eingebunden. Ist es so? R Akiba: Ich bin nicht arm, und bin der Aermste; so ergeht es jedem Menschen, wenn er allein ist mit sich. Jeder hätte können die Münze nehmen, also auch ich. Ich, weil jeder; und deshalb brauche ich sie nicht. Wer bist du? Der Prophet Elias: Du weißt es. R. Akiba: Warum sind alle Nadeln zerbrochen an dir? (Der Soldat, der

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