Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Weib des Akiba
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 313 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Weib des Akiba 313 meiner besseren Zeit! Alle Straßen will ich gehen mit meinem Bettelmann, nur diese nicht, die ich einmal in Ehren gegangen bin. R. Josua (zu Akiba): Rabbi Jose wohnt hier. R. Akiba: So ist der Funke nicht ganz zertreten in ihrem Herzen. Der Soldat: Tapp' dich her, Seleukos! (Die Kinder zupfen an dem Bettler und bringen ihn näher.) Der Mann (sie bedrohend): Ich werde euch greifen und fressen. (Die Kinder, lachend und schreiend, stieben die Straße nach rechts davon; einzelne rufen: Jose! kleiner Rabbi Jose!) Der Soldat: Sag' deinen Bettelspruch, Seleukos! Hier sind reiche Herren! Der Mann: Wo ist das Weib? Daß mein Stock auf ihrem Rücken tanze. R. Akiba: Bist du ein Jude? Der Mann: Ich bin ein Jude. Was geht es dich an? Noch habe ich nicht gebeten von dir. (Er bekommt das Weib am Arm zu packen.) Fort mit dir! Weiter die Straße und keine andre! Habe ich darum auf meine alten Tage ein Weib genommen, daß sie mir ungehorsam sei? R Akiba (seinen Zorn bezwingend): Reiche deine Hand her, ich will ein Almosen darauf legen. Der Soldat: Als du noch sehen konntest, Seleukos — er war Stadtwächter am östlichen Tor ^— hast du besser gewürfelt als ich. Halte die Hand hin, ich lege dir auch noch einen Pfennig darauf. Der Mann (hält die linke Hand flach hin. Akiba legt eine Münze darauf, danach der Soldat, dann Josua.) /?. Akiba: Gib ein Almosen, Abuja! Abüja: Diesem nimmermehr. Der Mann: Das ist wohl einer von den Hochmütigen? Das Weib: Komm jetzt, Seleukos! Die Gabe in deiner Hand ist reichlich. Komm, ko'mm jetzt zurück! Der Mann: Vorwärts die Straße! Haus vor Haus. R Akiba: Warte noch! Gib auch du ihm ein Almosen, Abuja! Abuja: Eher will ich ein Stück Gold in einen tiefen Brunnen werfen. (Von rechts her kommt In der Begleitung der Kinder der kleine, ängstlich behende Rabbi Jose.) Jose: Was geht hier vor? Verstecke dein Gesicht nicht vor mir! Und du, laß los ihren Arm! Kein größeres Leid als Beschämung! Sei nicht beschämt vor mir, Schwester! Führe deinen Mann in mein Haus, und ich will euch speisen und tränken! Aber kommt von der Straße! Der Mann: Siehst du, Weib, habe ich es nicht gewußt? Das Weib: Ich wollte die Straße nicht gehen, Jose, 'Gott ist mein Zeuge. R* Jose: Führe ihn nur, es ist zum Guten. (Die Straße her kommt der Prophet Elias mit einem mächtigen Wanderstecken; er sieht jünger aus als bei seinem vorigen Erscheinen. Er bleibt einen Augenblick in dem grellen Licht der Straße stehen, scheint sich umzusehen und blickt dann scharf in das Gewölbe hinein. Dann tritt er näher und muß sich bücken dabei. Nach einander sieht er alle Anwesenden scharf an, und sie werden unbewußt davon betroffen, am stärksten Akiba, der die A^gen nicht von ihm läßt.) Heft 5 21