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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 312

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
312 (sequence 14)
Language
German
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312 Moritz Heimann: Der Soldat: Friede sei mit dir, Mausche. R. Josua: Du weißt meinen Namen, warum veränderst du ihn? Der Soldat: Kann ich den Gruß nicht gut? Morgen ist Schabbath, da gehe ich in die Synagoge. Aber später einmal werde ich einen Tempel bauen, dem Jupiter, und werde euch lehren — R. Akiba: Du wirst nicht bauen, und wirst morgen nicht in die Synagoge gehen! Denke an diese Worte heute zur Mitternachtsstunde, wenn du dein eignes Blut mit deiner eigenen Hand aus deiner Brust wirst hemmen wollen. Der Soldat: Bist du ein Wahrsager? Ich schlage dir mit der Faust zwischen die Augen, wenn du Unheil prophezeist. R. Akiba: Denke daran! Der Soldat (unsicher): Heute Nacht werde ich im Lupanar eine schöne Hure haben. Und Spangen will ich kaufen, silberne; hast du nichts als diesen kupfernen Dreck? R. Josua: Ich verarbeite nur Kupfer. Der Soldat: Und arbeitest auch nicht für eine Hure im Lupanar, he? R. Josua: Es würde mir gleichgültig sein. Der Soldat (schüttelt Münzen in der Hand): Geld riecht nicht, hat Vespasian gesagt. Oder hört ihr den Namen nicht gern? Hört ihr gern Domitian? hört ihr gern Trajan? R. Akiba: Auch ihr werdet noch erschrecken bei unserm Namen. Der Soldat: Du bist wohl gelitten am Hofe des Kaisers, Josua — doch ich habe keine Zeit zum Schwatzen, zeig' her die Nadeln. (Er kramt in den Nadeln.) (Die Straße her kommen ein blinder Mann, schon angejahrt, und ein Weib, wesentlich jünger; die Kinder von vornhin skandalieren um die Beiden herum. Der Mann läßt sich von dem Weibe führen, doch so, daß er die Widerstrebende vor sich herstößt.) Das Weib: Nicht in diese Straße! Ueberallhin, aber nicht in diese Straße! Der Mann: Schwätzerin! Faulenzerin! Ist mir noch eine Straße unterschieden von einer andern? (Er stößt sie.) Das Weib: Mögen alle andern gleich sein, in alle andern will ich dich führen, — habe Mitleid mit mir! — nur in diese nicht. Der Mann: Weiter! Der Soldat: He! Seleukos! Der Mann (den Kopf zu dem Rufer hinwendend nach Blindenart, indem er das Gesicht etwas zu hoch hebt): Weiter! Der Soldat: Er ist nämlich blind, der alte Seleukos, und läßt sich von seinem Weibe auf den Bettel führen. He, Seleukos! Kannst du den Weg noch immer nicht mit den Füßen sehn? R. Josua (verstimmt zu Akiba): Sie war das Weib des Rabbi Jose. Boshaft im Haus, wie ich keine kannte; er hat ihr müssen den Scheidebrief geben, und sie hat sich an den Unflat geworfen. Das Weib (verläßt den Mann und kommt aufgeregt und hysterisch weinend an den Amboß): Schütze mich! rette mich, Rabbi Josua! Hab'Mitleid mit

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