Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 307

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
307 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3101111-3101175-3101181-3106744--5115-3106805
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das Weib des Akiba 307 R. Akiba: Sie ist wahr, und dennoch ist kein Mißbrauch. R. Elieser: Immer willst du zwei Balken mit einem Strohhalm zusammenbinden, Akiba. Und nun mußt du mir Urlaub geben, Gamliel, damit ich „lerne". R. Qamliel: So schicke mir Tabit herauf, daß er mich hole. (Auch Josua und Akiba erheben sich.) R. JOSUa: Ich will dich den Weinberg hinunter begleiten, Elieser; er ist steil, und da gibt es keinen Zank. ) R. Qamliel: Bleibe du noch hier, Akiba, bei mir, bis der Sklave kommt. (Elieser und Josua entfernen sich nach dem Friedensgruß.) R. Qamliel (Akiba auf den Sitz niederdrückend): Gern sehe ich diesen beiden Männern nach. Der eine ist reich, der andre arm. Der eine ist mein Schwäher, und wohl kann ich sagen, wie ein Bruder meinem Herzen, der andre ist mir nicht freundlich gesinnt. Rabbi Elieser hat in seiner Jugend, wie du, den Acker gebaut und wandelt nun in der Greisenschönheit streng und gut unter uns; Rabbi Josua hat als Knabe noch im Tempel der heiligen Stadt Jerusalem die Chöre der Leviten mitgesungen und ist nun ein kleiner, zäher, häßlicher Mann, auch er gut, doch ohne Strenge, sondern fast lässig gegen die Schwächen der Menschen. Und nicht genug mit soviel Gegensatz, so ist in ihnen der schmerzenswürdige Widerstreit lebendig, der unsre Lehre fast in zwei Lehren zerrissen hat; nicht Hillel, der Sanfte, war so zutraulich mit der Beschwerung der Menschen, wie Josua, und Elieser bewahrt zwar, so fest wie geschriebene Schrift, die Entscheidungen Hilleis, aber in seinem Gemüt hängt er dem bittern Manne an, Schammai. Dennoch siehst du sie mit einander gehen, wie sie es oft tun, das ungleiche, gleiche Paar, voll Hochachtung und Freundlichkeit einer gegen den andern. Und also braucht uns nicht bange zu sein um den Einklang in Israel, gleichwie die kurze und die lange Saite an der Harfe schön in einander klingen. R. Akiba (nach einer Pause): Die Meister finden sich immer, ihre Schüler hadern sich gegenseitig an und ihre Enkelschüler schlagen einander blutige Köpfe. So ist es ein paar Tage vor dem neuen Jahr geschehen, unmittelbar an den Toren des Lehrhauses. R Qamliel: Ich weiß es. Und guf hast du, mein Sohn, verstanden, daß ich dich fragte, eben jetzt, da ich von den beiden Freunden sprach. Ja, ich fragte dich, Akiba, und keinen Andern weiß ich mir dazu; denn jeder steht in seiner Sache wie in einem Gefängnis. Du nicht. Weißt du, wonach ich dich gefragt habe? R. Akiba: Der Tempel ist zerstört, das Land ist Untertan mit Kopf und Acker dem Römer, das Volk ist zerstreut über die Erde hin, bis nach Aegypten und Asien und den Inseln, bis nach Griechenland und Rom, die Ketzerei hat überhand genommen und betet nicht mehr, daß Gott einer sei, sondern drei: — wie ist das Zerfallende zusammenzubinden? Die Müdigkeit zwischen den Meistern, die Freundschaft der Herzen kann es nicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.