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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 305

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
305 (sequence 7)
Language
German
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Das Weib des Akiba 305 schlimm, daß du nichts weißt davon, Gamliel, Fürst, daß du nicht kennst die Not der Weisen. So kennst du auch die Not der Toren nicht und die Plage des Zeitalters. Weißt du, wie Akiba, durch diese zehn Jahre hin, in denen er wie ein Durstiger an den heiligen Quellen getrunken hat, sein tägliches Brot verdient? R. Akiba: Mache nichts offenbar, dessen ich selbst nicht achte. R. Josua:^ Du hast für mich entschieden, jetzt ich für dich. Zuweilen, ihr reichen Männer, durch die Axt des Holzfällers; öfters aber auch nur durch das Einsammeln von Stroh. R Akiba: Noch habe ich den Arm meiner Jugend, und die Axt ist ihm nicht schwer. Lese ich Stroh auf, wohlan, so hat Ruth, die Moabitin, Aehren gelesen hinter den Schnittern, und aus ihrem Geschlecht kam David, der König, und du selbst, Gamliel. R. Qamliel: Wer pflegt es zu sein, der einen Mann um seines Stolzes willen tadelt? Ein noch stolzerer. (Er reicht Josua und Akiba die Hand hin.) R Elieser: Das Buch Ruth ist lieblich zu lesen und ein Heiltrank unsern Bräuten. R Qamliel: Mach' uns keinen neuen Streit, Elieser! R Elieser: So will ich gehen; denn es bangt mich die Stunde wie Müssiggang. R. Qamliel: Bleib, Elieser! R. Elieser: Akiba hat begonnen die Ueberlieferungen zu ordnen, zu sammeln und zu vereinigen nach ihrem Inhalt und ihrer Zahl. Wie sollten wir das Spätere tun, bevor das Frühere getan ist? Noch haben wir das heilige Buch nicht beschlossen, noch sind wir im Zweifel, ob wir sagen können: dieses ist es für immer, unser heiliges Buch, Mose, Propheten und Schriften, an dem nichts fehlt und nichts zuviel ist. R. Gamliel: Setze dich Elieser! (Elieser, der aufgestanden war, tut es.) R. Josua: Warum versagst du dem Prediger Koheleth Rang und Reihe unter den Schriften? R. Elieser: Er ist ein Eindringling, er ist ein fremder Tropfen im Blut. Seine Lehre ist trübe, als wäre sie von den Heiden, und schlägt das Gemüt mit Ohnmacht. Er spricht, daß alles eitel sei. Mein Reichtum eitel; doch das tut nichts; deine Macht, Gamliel, eitel, doch das tut nichts; eitel deine Arbeit, Josua, und deine Armut eitel, Akiba, doch das tut nichts, und all unsre Freude und unser Leid, alles Geschenk des Himmels und der Erde eitel, und auch das tut nichts. Aber auch unser Forschen und Suchen nach der Wahrheit, unsre Hoffnung auf dieser Welt und auf die kommende Welt, auch dieses, alles, nennt er eitel. Nur Mühe und Wind sei darin, und er achtet gering den hochheiligen Gram der Weisheit. R- Josua: Schwer ist es, ihn zu hören, du hast recht. Aber komm doch einmal in mein Gewölbe und höre das Wort des Tages, so wirst du erkennen: wenn alles, was diese Welt an Leben hat, in unsern Büchern eine Stimme findet, so darf auch das Verzagen nicht fehlen, — fehlt doch auch nicht Hiobs Anklage darin.

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