Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Weib des Akiba
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 304 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Moritz Heimann: del hat er bestimmt. Nicht heiliger sind seine Sterne als das Gesetz, das er uns durch Moses gegeben hat. So wollen wir forschen und suchen in dem Gesetz; denn wenn wir es geringer achteten als das Gestirn, so wäre große Gefahr, daß wir gleich würden den Chaldäern und Zeichen deuteten am Himmel und übermütig würden und vom Gesetze fielen. Darum ist es besser, auf das Nahe zu achten als auf das Ferne. R. Oamliel (mit Befremden): Auch dieses ist keine Antwort. Hast du darum den Willen Josuas gelenkt, daß er hierher käme? R Akiba: Darum, Fürst, durfte er kommen mit unbeschwertem Gemüt. Aber nicht darum mußte er kommen. R. Oamliel: Also mußte er? Hörst du, Elieser? Er mußte kommen, auf daß dem Amt und der Macht des Patriarchen kein Abbruch geschähe. . R. Akiba: Er mußte kommen, auf daß der Einheit in Israel und der Einmütigkeit unserer Gebote kein Abbruch geschähe. R. Oamliel (freudig); Du, mein Sohn, der jüngste unter uns, nicht an Jahren und nicht an Weisheit, sondern an Zeit des Lernens und der Einsicht, hast verstanden, warum es mir schwer war, meinen Befehl zu geben; weil es mir schwer war, mußte ich ihn geben. So seid mir noch einmal willkommen. R. Josila (mit einem Lächeln): Du mußt nicht denken, daß er mich über die Terrassen des Weihbergs herauf hat schleppen müssen. Ist es eine Sünde, so ist sie dein. Aber oft denke ich auch, daß Gott nicht ^anz so viel von uns verlangt, wie wir glauben. Und überdies hast du mich meinem Geschäft nicht entrissen; denn ich hätte meine Hände doch heute müssig gelassen. R. Oamliel: Von welchem Geschäft sprichst du? R. Josua: Von meinem Handwerk, wovon denn sonst? das mir meine Speise und Trank verdient. R. Oamliel: Du bist ein Handwerker? R. Josua: Seht, Freunde, das wußte er nicht! Ein fürstlicher Mann ist blind gegen die Wahrheit, und ein Herrscher verlernt, zu gehen. So kann ich dir nicht sagen, Rabbi Gamliel: komm einmal an mein Gewölbe und sieh, wie mein Hämmerchen tanzt auf dem Amboß. Ich mache Nadeln aus Kupfer. Wie wundert es mich, daß du dich wunderst darüber! R. Elieser: Jeder Mann nehme auf sich, was ihm bescheert ist, Reichtum der eine, der andere Dürftigkeit. Nur die Lehre muß frei sein von Selbstsucht nach den Worten des Rabbi Zadok: sie sei euch keine Krone, damit zu prahlen, und kein Spaten, damit zu graben. R. Josua: Meinst du, Elieser, ich klagte darüber, daß ich mich mühen muß? Es ist genug, daß uns der Morgen und der Abend versenkt in die Forschung, der Tag möge seine irdische Last haben. Meinst du, Elieser, ich hätte mich beklagt? So hat auch dich der Reichtum verschlossen in ein Gefängnis. Denn nicht das ist schlimm, daß ich, wie die meisten unsrer Lehrer, mich mit eigner Mühsal durchbringe. Und auch das ist nicht schlimm, daß ihr die Aermeren, als ich bin, nicht schützt in ihrer Not, die nur ein Kleid haben für zwei Träger. Aber das ist