Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 302

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
302 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3101111-3101175-3101181-3106744--5110-3106800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

302 Moritz Heiniann: R. Bliesen Die heilige Lehre ist unantastbar und vollendet. Wehe dem, der etwas von ihr nimmt; aber auch, wer nicht müde wird, zu ihr etwas hinzuzufügen, wie er, bringt sie in Gefahr. R. Qamlieh Immer bist du, wie Rabbi Jochanan ben Sakkai, er ruhe in Frieden, von dir gesagt hat: eine wohlverkalkte Zisterne, die kein Wasser versickern läßt und den Regen des Himmels treu bewahrt. Sei gepriesen darum, Rabbi Elieser, aber verwehre nicht der Quelle ihren Quell; auch sie gibt nur das Himmelsgeschenk zurück. Und doch, Freund, bist du verhärteter gegen Akiba als gegen andere Meister der Lehre, die auf seinem Wege sind, weit hinter ihm zurück. R. Elieser: Er hat einen unruhigen Geist; er kann es nicht verwinden, daß er von den Feldern stammt. R. Oamliel: Auch du, Elieser ben Hyrkanos, bist vom Pfluge und von den Feldern zu uns gekommen. R. Elieser (mit einer verklärten Miene): Ich, Gamliel, habe mich, schon ein Kind, weggeweint von den Feldern in die Lehre. Sollte mir der Gedanke nicht übermütig erschienen sein, etwas anderes zu wollen, als zu empfangen und zu bewahren? R. Oamliel: (hebt die Hand, als erbäte er Schweigen. Kleine Pause, und von rechts, aber aus dem Hintergrund, kommen Rabbi Jostta im Reisekleid und Rabbi Akiba^ unverändert, nur mit einigem Grau in Haar und Bart.) R. Oamliel (schiebt langsam die Fußbank zur Seite, erhebt sich und geht Rabbi Josua entgegen. Er beugt sich tief vor ihm): Sei mir in Gottes Namen willkommen, Rabbi Josua, du mein Lehrer und mein Schüler. Mein Lehrer bist du in der Weisheit und mein Schüler im Gehorsam. Gut steht es um Israel, wenn der Größere dem Geringeren gehorcht. R. Josua: Gut steht es, Fürst, wenn es dir so schwer war, zu befehlen, wie mir, zu gehorchen. R. Oamliel (freudig): So ist es, und ich danke dir, daß du es-weißt. Tretet nun näher, beide, als Freunde zu einer guten Stunde. (Er geht wieder zu seinem Platz zurück; den sich nähernden Josua und Akiba geht auch Elieser entgegen und begrüßt sie.) R. Elieser: Großes hast du getan, Josua; du hast dein Haupt gebeugt und meines auch. R. Oamliel: Setzet euch her zu mir, Freunde; du, Josua, komm an mein linkes Ohr, denn es hört besser. (Josua und Akiba setzen sich auf die hintere Bank, Elieser auf die vordere.) R. Josua: Gebührt es sich, Fürst, unrechtes Gut zurückzugeben, welcher Art es auch sei? R. Oamliel: Ist dieses eine Frage? R. Josua: So muß ich dein Lob zurückgeben, und das deine, Elieser. Denn keineswegs hat dein Befehl ein williges Herz in mir gefunden. f V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.