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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 298

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
298 (sequence 3)
Language
German
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298 Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden Manchen in Ueppigkeit lebenden und auf ihre irdischen Güter pochenden Reichen, die an die Eitelkeit des Erdenseins nicht denken und meinen, durch ein großes Geldangebot sich vom Tode loskaufen zu können, ruft der Psalmist zu: „Die auf ihr Vermögen bauen und sich mit der Fülle ihres Reichtums brüsten. Der Bruder vermag nicht (vom Tode) loszukaufen, noch Gott Lösegeld für ihn geben. Ist noch so hoch das Lösegeld ihrer Seele, muß es doch — nämlich der Versuch dem Tode zu entgehen — unterbleiben." (Psalm 49. 7—9) Allerdings kann ein Lösegeld ah und für sich, wenn es ohne sittliche Begleitmomente, bloß als eine sozusagen Bestechung des Himmels gegeben wird, vom Tode nicht befreien. Anders verhält es sich aber mit einem «Lösegeld, wenn es, begleitet von edlen Trieben! einem frommen Zweck zugeführt wird in der Absicht, durch die Tat ein gutes Werk zu vollziehen und einem bedürftigen Bruder in der Not zu helfen. So ein Auslösen bedeutet schon Zeddakah, d. h. Wohltun und vermag unter Umständen einen Kranken von der Macht des Todes zu befreien. Schon zu talmudischer Zeit war es Brauch, anlässlich einer Erkrankung Almosen an Bedürftige zu geben mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß jede den einzelnen Armen gegebene Münze gespendet wurde, auf daß der betreffende Kranke lebe (Tr. Rosch Haschanah 4 A, Baba Batra 10 B. Pesachim 8 A). Dieser Brauch der Verteilung von Geldspenden für die Genesung von Kranken blieb im Judentum, wenn auch — insbesondere unter dem Einflüsse der Kabbalah und des Chassidismus — in verschiedenartigen Formen, bis heute erhalten. Gleichzeitig mit dem Beten und Thillimsagen wird für die Genesung von Kranken Wohltätigkeit in der Gestalt von Almosen sowie von allerhand Spenden an fromme und humanitäre Institutionen geübt. Schon anläßlich des Thillimsagens im Bethaus für einen Kranken findet sich eine passende Gelegenheit, den bedürftigen Batlanim Unterstützung angedeihen zu lassen. Es werden bei solcher Gelegenheit auch verschämte, sog. „verborgene" Arme, d. h. solche, die den durch die.Ungunst der Verhältnisse herabgekommenen Kreisen des Mittelstands angehören — eine im Osten nicht seltene Erscheinung — und die öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch zu nehmen sich scheuen, aufgesucht und ihnen im geheimen Geldgeschenke mit der Bitte eingehändigt, daß sie für den Kranken beten, auf daß er durch den „Sechut" (Verdienst) der geübten Zeddakah genese, denn „eine Gabe im geheimen besänftigt den Zorn" (Proverbia 21.14). Ueber den in allen Bethäusern des Ostens angebrachten Sammelbüchsen, deren Ertrag für Unterstützung der Armen bestimmt ist, befindet sich zumeist der oben zitierte Ausspruch aus den Sprüchen Salomos. Aus Anlaß des Betens für einen Kranken werden auch im geheimen, ohne daß jemand es merkt, diese Büchsen bedacht. Oft findet man bei Leerung solcher Büchsen namhafte Beträge und nicht selten auch mehrere Goldmünzen. Ebenso

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