Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 299 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Heimann: Das Weib des Akiba 299 werden an wohltätige Vereine und fromme Anstalten Geldbeträge zugeführt mit der Bitte, daß sie Genesung für den Kranken herabflehen. Beim Vorlesen der Thora in der Synagoge wird vom Vorbeter der übliche, für die Genesung eines Kranken bestimmte Segensspruch (Mi scheberach) gesagt, wobei für allerhand fromme und wohltätige Zwecke gespendet wird. Eine im Osten, auf kabbalistische Empfehlung, sehr verbreitete und populäre Segullah besteht darin, anläßlich eines solchen bei der Thora gesagten „Mi scheberach" soviel mal achtzehn Geldeinheiten, entsprechend dem Zahlenwerte des Wortes „Ch(a)j"(8 + io i8) d. h. lebend (hier in der Bedeutung „Leben«) zu spenden, als der Zahlenwert des Namens des Kranken beträgt. Im übrigen ist es überhaupt im Osten, und ganz besonders bei Chassidim, Brauch, bei jeder Gelegenheit, wenn bei der Thora beim üblichen Sagen des „Mi scheberach" gespendet wird, in einer oder mehreren achtzehnfachen Geldeinheiten die Spende namhaft zu machen. Sehr beliebt ist es — namentlich bei Bemittelten — der Zahl achtzehn den Multiplikator achtzehn zu geben, also 18X18 Geldeinheiten d. h. Ch(a)j mal Ch(a)j, wobei also Leben mit Leben multipliziert wird. Die Höhe der genannten Geldeinheiten richtet sich nach dem.Können und dem guten Willen des Spenders. Die Bemessung der Spende im Verhältnis zum Zahlenwerte des Namens kommt hauptsächlich bei Kranken in Betracht. Bei Namen, deren Zahlenwert groß ist, wie z. B. Isra(e)l (10 + 300 + 200 -f 1 + 30 541) u. dgl. wird dann die Spende oft, wenn der Zahlenwert des Namens einmal oder gar mehrere Mal achtzehnfach in großen Geldeinheiten gespendet werden soll, zur namhaften Summe, die nur ein Wohlhabender hergeben kann. Minderbemittelte nennen in solchem Falle, wenn sie schon achtzehnfache Beträge spenden wollen, ihren Verhältnissen entsprechend, geringe Geldeinheiten, die sie dann gleich den Reichen gewissenhaft erlegen. Die Zahl achtzehn entsprechend dem Worte Chaj als Vielfaches einer Geldeinheit bei Nennung einer Spende scheint auf die Prophetenworte Bezug zu nehmen: „Chaj! Chaj! hu jodekha!" d. h. „Der Lebende! Der Lebende! er preiset Dich!" (Jesaias 38. 19). (Fortsetzung folgt.) DAS WEIB DES AKIBA Drama in fünf Akten (zwölf Szenen) Von oritz Hei mann (Akiba ben Joseph hat als Knecht auf dem Hofe des reichen .Kalba Sabua gelebt, als ein derber Landmann von beinah vierzig Jahren, klug, nicht ohne ein starkes Gefühl von der Entwürdigung Israels unter der römischen Herrschaft, aber der Lehre herzhaft feind, ein Amhaarez. Die junge Tochter Kalba Sabuas, Jaltha, von Liebe zu ihm ergriffen, hat ihm ihre Hand angetragen, wenn er willig sei, sein Leben zu ändern, zu lernen und sich der Forschung zu weihen. Sie haben sich verlobt und sind von Kalba Salbua ins Elend gewiesen worden, in ein bittres, aber mit Seligkeit ertragenes Elend, in welchem Jaltha für die Notdurft des Tages als Magd geschafft, Akiba von den Anfangsgründen ein unermüdliches, er- 20*