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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Im Wirbel der Geschichte
Date
1921-01-01
Page
279 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Im Wirbel der Geschichte «79 nitschestwo") die bolschewistische Revolutionsmacht des Plagiates. Allein die Abwicklung der russischen „Historie", ihre vom Weltkrieg aufs äußerste gefährderte Lage wies den Bolschewismus auf diesen, bei der Armut der Kultur einzig gangbaren Weg. Lediglich die Methode des Kampfes ist eine dem westeuropäischen Geist entlehnte. Sie stammt von der marxistischen Sozialdemokratie, die, gemäß den historisch-russischen Verhältnissen, sich in ein bakuninistisches Gewand hüllte. Auch diese Kampfmethode war die einzig mögliche, weil sie erlaubte, dem angestammten Großgrundbesitz den letzten Stoß zu versetzen und so die Arbeiter- und Bauernmassen, wie die Rassenproletarier des Reiches in eine Revolutionsarmee zu verwandeln. Das alte Motiv der russischen Geschichte, aber in äußerst verstärkter, revolutionärer Form kehrte wieder: das Leben des Reiches, der „Historie" auf Kosten der Kultur und Zivilisation. An diesem Widerstreit zwischen Historie und Kultur häuft sich die gesamte Problematik der bolschewistischen Revolution, dieser Gegensatz bedroht mit Naturnotwendigkeit die Handhabung der marxistisch-bakuninistischen Methode überhaupt. Das Einsetzen einer kulturell-zivilisatorischen Restauration, der sogenannte neue ökonomische Kurs, die zur Zeit vom Sowjetstaat unternommen werden, deuten schon darauf hin, daß das russische Reich im großen und ganzen seine historischpolitische Grundlage aufs neue gefunden hat. Es bleibt ihm nur übrig, seine Existenz in Einklang mit der Existenz und dem Leben der übrigen Weltstaaten zu bringen. Eine schwere Aufgabe, die noch große Umwälzungen im Leben des russischen Staates nach sich ziehen wird. Selbst die antibolschewistische Konterrevolution, wie sie von den weißen Generälen, Skoropadski, Koltschakow, Denikin, Wrangel, Judenitsch geführt wurde — die Aleksejew-Kornilowsche Bewegung hatte damit nichts zu tun, sie stellte vielmehr ein Intermezzo beim Uebergang der demokratischen Revolutionsphase in die bolschewistische dar — trägt auch den Stempel des allrussischen Imperialismus. Und sie scheiterte darum, weil ihr patriotisches Ziel mit historisch besseren Mitteln bereits von der bolschewistischen Revolutionsgewalt angestrebt wurde. Wenn die Revolution sich bis nun als ein einäugiger Zyklop zeigte, als eine historisch fortschrittliche und kulturell-zivilisatorisch reaktionäre Macht, so war die Gegenrevolution auf beiden Augen mit Blindheit geschlagen. Sie wähnte, auf der hergebrachten, volkstümlich und national engherzigen Grundlage des alten Petersburger Imperiums das patriotische Ziel zu erreichen und endete, begreiflicherweise, mit einer vollständigen Niederlage. Ihr Erscheinen selbst ist eine Schöpfung, des Trägheitsgesetzes, ist ein verspätetes Auswirken der vorrevolutionären Epoche. Die periodisch sich wiederholende Sammlung und Wiederherstellung des russischen Reiches — die „Sammlung der russischen Erde" ist ja ein traditioneller Begriff der russischen Geschichte — ist zur Sache der bolschewistischen Revolutionsmacht geworden, ohne daß sie sich ursprünglich dieses hohen Berufes bewußt wurde. Allein der Chor, das -Publikum, die Masse

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