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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 253

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Die Linke
Date
1921-01-01
Page
253 (sequence 6)
Language
German
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Bemerkungen; Die Linke 253 „Machtfaktor geworden** wären und „etwas zu bieten0 gehabt hätten, Im Sinne der von Buber schon in dem zitierten Aufsatz „Zionistische Politik" erwähnten „Aequlvalentsverpfliehtung*. „Nur eine reale Macht kann mit einer Macht erfolgreich verhan« dein", betont Buber dort noch. „Die Diplomatie, welche die Kunst der Machtverwertung ist, kann wohl leicht Verschiebungen vortäuschen, aber über nichts Wesentliches Illusionen hervorrufen» Aber auch wenn sie es gönnte, so wäre sie doch nicht vermögend, der zionistischen Partei den Schein realer Macht zu geben", („Die jüdische Bewegung«, t Band, S. 115), Darin besteht die Meinungsdifferenz zwischen Buber und Weizmann; Buber sieht in der zionistischen Bewegung eine „reale* Macht, Weizmann eine ideelle. Der idealistische Denker glaubt nur an die Realität wirtschaftlicher Interessen, der realistische Staatsmann auch an den ideellen Wert des jüdischen „good will0. Ich sage nicht, daß darum dem Politiker vor dem Philosophen zu glauben und jener kompetenter zu solcher Beurteilung als dieser ist, obwohl diese Annahme naheliegend genug ist Ich frage nur: ist nicht derjenige eher zu einem sachgemäßen Urteil in der Lage, der mitten in den Ereignissen stand und an ihnen handelnd beteiligt war, als ein späterer, an der Peripherie befindlicher Betrachter? Es müßte denn eine erdrückende Fülle von Beweisen dargebracht werden, die die gegensätzliche Anschauung außer allem Zweifel stellen. Wie aber ist es überhaupt möglich, solche doch eigentlich nur psychologische Gründe und Gegengründe zu „beweisen"? Buber „vermag in Weizmanns Darstellung ein bestimmendes politisches Motiv nicht zu entdecken". Muß denn aber ein „bestimmendes Motiv" immer ein realpolitisches sein? Ein solches vermag ich in der jüdischen Palästinapolitik Englands als ein bestimmendes nicht zu entdecken. Wir sollen uns nur ja nicht einbilden, daß englische Politiker die doch vielfach dialektischen Argumentationen äsr Zionisten nicht zu durchschauen vermochten. So bleibt nichts anderes übrig, als in diesem Falle, vielleicht dem einzigen Jn der neueren Geschichte, hauptsächlich idealistische, wenn man will, kann man auch sagen: sentimentale Beweggründe anzunehmen, Diese Erwägung, die sich einfach aus der notwendigen Negation aller dieser künstlich aufgebauschten Realinteressen er* gibt, hat mich auch dazu geführt, in einer noch vor dem Kongreß geschriebenen, jetzt erscheinenden Broschüre „Zionismus und Völkerbund"*) den Erfolg der zionistischen Anstrengungen in England auf ideelle Ursachen zurückzuführen, Es ist auch unrichtig, daß England das jüdische Volk als „legitimes Rechtssubjekt" zur Begründung seines Anspruchs auf Palästina unbedingt gebraucht habe» Die sehr gewagte Behauptung; „England konnte Palästina für sich ebensowenig bekommen wie irgend eine andere Macht" zeigt deutlich, wie die Beweisführung Bubers zum Teil auf leicht widerlegbare Konstruktionen zurückgeht. Wann war und ist man je in der Politik um eine Legitimierung auch der absurdesten Ansprüche verlegen gewesen? Es wäre richtig gewesen zu sagen, daß England Palästina ebenso gut beanspruchen konnte wie jeder andere Staat So erinnere ich mich, wie sogar ein österreichisches Interesse an Palästina auf Grund des Titels des Kaisers von Oesterreich "als „Königs von Jerusalem0 konstruiert wurde. Daß es aber nur England bekommen konnte, aus dem ganz einfachen Grunde, weil es das Land bei Kriegsausgang militärisch in der Hand hatte, ist ebenso klar. Es ist durchaus nicht einzusehen, daß die Engländer die Juden als moralische Attrappe gebraucht haben. Ebenso gut hätten sie auch die Araber, deren gegen die Türken gerichtete nationale Bewegung sie doch auch begünstigt hatten, vorschieben können. — Hier eben hört die sonst so * durchsichtige Realpolitik sonderbarerweise auf und beginnt der dunkle Fall eines jedenfalls nicht ausschließlich „realen" politischen Verhaltens. Fällt nun die Voraussetzung bezüglich der politischen Notwendigkeit oder auch nur der großen Wünschbarkeit der Verwirklichung der zionistischen Forderungen für England, dann fällt auch die grundlegende Auffassung Bubers in sich zusammen, als wäre die zionistische Politik eine solche des „do ut des* und wir zwar vielfach schwächere, aber doch vollbe- *) Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland» In Kommission beim Jüdischen Verlag,

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