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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 233

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
233 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 333 täglichen Opfer für die ganze jüdische Volksgemeinschaft dargebracht zu werden. Da aber jeder, der ein Opfer darbringt, bei dessen Opferung zugegen sein muss und es doch ausgeschlossen war, dass das ganze Volk täglich im Tempel zugegen sein sollte, wurde die Anordnung getroffen, dass im ganzen Lande aus allen Klassen der Bevölkerung, also aus Priestern, Leviten und Laien vierundzwanzig Gruppen, die sog. „Mischmarot" d. h. Wachtposten gebildet wurden, von denen abwechselnd je eine Gruppe, sobald an sie die Reihe kam, nach Jerusalem ging um dem Priester bei der täglichen Opferung Beistand zu leisten und zu beten, dass die dargebrachten Opfer wohlgefällig aufgenommen werden mögen. Sie trugen den Namen Ansehe Maamad d. h. Männer des Beistandes bezw. Maamadot d. h. Beistände. Die übrigen Glieder der vierundzwanzig „Mischmarot", die nicht an der Reihe waren, bei der Opferung Beistand zu leisten, wurden als „Ansehe Michmar" d. h. Männer der Wache bezeichnet; sie hatten die Aufgabe, sich im Bethause zu versammeln und an vier Tagen der Woche, von Montag bis einschl. Donnerstag, für das ganze Volk und insbesondere für das Heil der See- und Wüstenfahrer, für die Schwangeren, dass sie keine Fehlgeburt zur Welt bringen, und für die Säuglinge, dass sie genug Nahrung an der Mutterbrust finden mögen, zu beten. Sie lasen auch täglich in der Synagoge aus der Thorarolle den für jeden Tag bestimmten, im Talmud genau angegebenen, Abschnitt aus dem Pentateuch (Tr. Taanit 26 A. 27 B.). Nach der Zerstörung des Tempels und dem Aufhören des Opferkultus wurde auch die Institution der Maamadot gegenstandslos und löste sich automatisch auf. Zur symbolischen Erinnerung an sie wurden für jeden Tag der Woche eingeteilte Partien aus Bibel und Talmud, die vom Opferkultus handeln, in den täglichen Gebetritus aufgenommen und als „Maamadot" bezeichnet. Das Sagen von Maamadot, die vom Opferkultus handeln, soll vor Gott so viel wie die wirkliche Darbringung von Schlachtopfern bedeuten und diese ganz ersetzen (ebenda. Tr. Megillah 31 B.). Die genaue Reihe der täglich zu sagenden Maamadot hat zuerst der Redakteur unseres Gebetbuches R. Amram Gaon (neuntes Jahrhundert) festgestellt und in sein Gebetbuch aufgenommen. (Siddur R. Amram Gaon, Warschau 1865 und Jerusalem 1912*). Dieselben befinden sich, mit vielen späteren Zutaten, insbesondere von kabbalistischer Seite, in allen ausführlicheren Gebetbüchern hinter den Psalmen. Die Maamadot sagen jedoch nur Leute, die über die dazu nötige Zeit verfügen; zumal schon ohnedies Partien aus Bibel und Talmud, die den Opfprkultus behandeln, in unseren täglichen Gebetritus aufgenommen wurden. Als nach der Zerstörung des Tempels und der Dezentralisation des Gottesdienstes dessen Schwergewicht in die Synagoge verlegt wurde, wurde, wie ich vermute, gewissermassen als die den Verhältnissen angepasste Fortsetzung *) Eine besonders ausführliche und umfangreiche Zusammenstellung der Maamadot mit Berücksichtigung des Sohar befindet sich im „Schilte ha Gibborim« von Abraham de Porte Leone. Mantua 1612, Blatt 106—170. Heft * 16

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