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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
232 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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232 Samuel Rappftport: Batlanim sind in jedem Bet-ha-Midrasch, Klaus oder Stübl („Klaus" bezw. „Stübl" heissen die Bethäuser der Chassidim) stets vorhanden und stehen immer für derlei Zwecke, würdigen Armen unentgeltlich und Bemittelten gegen Gewährung einer, je nach den Verhältnissen der Partei, angemessenen Entlohnung, zur Verfügung. Batlanim (vom Hebr. Batlan: Beschäftigungsloser, in diesem Falle solche, die keinem profanen Geschäft nachgehen) sind in der Regel talmudisch Gebildete, die, sei es durch Alter, körperliche Gebrechlichkeit oder durch Mangel an praktischem Sinn unfähig sind irgend welchen Handel zu treiben oder sonstigem Erwerb nachzugehen und sich daher in das Bet-ha-Midrasch bezw. Klaus oder Stübl zurückziehen, wo sie bei Beten und Thorastudium ihre Tage oder besser gesagt ihr ganzes Leben zubringen. Im Osten wird überhaupt jeder auch nur halbwegs Gelehrte, zu praktischen Dingen Untaugliche, kurzwegs als „Batlan" bezeichnet. Die Batlanim bilden gewissermassen eine permanente Institution einer jeden ostjüdischen Gemeinde. In jedem Bet-ha-Midrasch, Klaus oder Stübl kann man zu jeder Tageszeit mehrere Batlanim finden. Neben den Einheimischen findet man oft auch auswärtige Batlanim. Sieht sich einer von ihnen durch Not oder durch andere Umstände genötigt, seinen Heimatsort zu verlassen und in eine andere Stadt zu gehen, dann begibt er sich in das Bet-ha-Midrasch, Klaus oder Stübl, wo er bald Anschluss, Unterstützung und auch „Beschäftigung" findet. Die heimischen Batlanim begeben sich über Nacht zu ihrer Familie, die auswärtigen dagegen schlafen im Bet-ha-Midrasch, Klaus oder Stübl, auf den Bänken und auf den Tischen, wo man sie auch, falls von ihnen während der Nacht Psalmensagen für einen Kränken verlangt wird, oder wenn sie zu einem Sterbenden gerufen werden, zu finden weiss. In den Kreisen dieser Batlanim entstehen auch die meisten chassidischen Legenden. Manche Batlanim hält es nicht lange an einem Ort. Von einem Wandertrieb ergriffen durchziehen sie weite Strecken und Länder, wo sie reiche Erfahrungen und Kenntnisse vieler jüdischer Gemeinden und Familien erwerben. Sie tauchen manchmal nach einiger Zeit in derselben Gemeinde wieder auf, aus der sie über kurz oder lang wieder verschwinden. Solche Wanderbatlanim betreiben oft dank ihrer Kenntnis der Verhältnisse vieler Familien nebenbei auch das Schadchengeschäft, jedoch nur in den Kreisen des ärmeren Mittelstandes, da man in reichen Familien einem Schadehen, der zugleich Batlan ist, nicht viel Vertrauen schenkt; man unterlässt es hier, seine Proposition überhaupt ernstlich in Erwägung zu ziehen und fertigt ihn bloss mit einem Geldgeschenke ab, womit er sich gewöhnlich zufrieden gibt. Die heute im Osten allgemein bestehende, wenn auch unorganisierte Institution der Batlanim bildet, wie ich meine, die, wenn auch bis zur Unkenntlichkeit entstellte, symbolische Fortsetzung der uralten Institution der „Ansehe Maamad" bezw. „Ansehe Mischmar". Im Tempel zu Jerusalem pflegten nämlich jeden Morgen und Abend die für die vom ganzen Volke gesammelten Schekalim angeschafften

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