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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
231 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 231 ihn mit Krankheit gestrafte Schwester Mirjam durch sein Gebet gerettet (Numeri 12.13) u. s. w. Im Talmud wird viel von der hohen Bedeutung des Betens für die Genesung Kranker erzählt. R. Chaninah ben Dossah pflegte stets für Kranke zu beten und in jedem Falle, „je nach der Geläufigkeit wie ihm das Gebet vom Munde ging", wußte er auch, ob sein Gebet Erhörung geiunden , habe, d. h. ob der betreffende Kranke genesen werde oder dem Tode verfallen sei. So hoch war das Gebet R. Chaninah ben Dossas gewertet, daß keine geringeren als R. Gamliel und R. Jochanan ben Sakkai ihn angingen, für ihre Söhne zu beten, als diese krank darniederlagen. In beiden Fällen erlangte er durch sein Gebet im Himmel ihre Genesung (Tr. Berachot 34 B). Als Rabbah erkrankte, ließ er an den folgenden Tagen ausrufen: „Wer mich lieb hat, der möge für mich beten" (ebenda 55 B. Tr. Neddarim 40 A). Es kommt unter Umständen vor, daß der Kranke sich des Ernstes seines Zustandes nicht bewußt ist und man ihn darüber hinwegzutäuschen sucht, oder er richtig und entsprechend zu beten nicht mehr imstande ist. In solchem Falle ist das Beten anderer von ganz besonderer Bedeutung, da der Kranke ein intensives Beten für seine Genesung meist für unnötig ansieht oder sein Zustand ihm dies nicht mehr erlaubt. In erster Linie sind es die nächsten Familienangehörigen, die den Kranken in ihr Gebet einschließen, außer Psalmensagen u. dgl. wird dann beim Achtzehngebet (Schemoneh essreh) in die allgemeine Benediktion für die Kranken Israels das übliche kurze Gebet für die Genesung des betreffenden Kranken unter ausdrücklicher Nennung seines Namens eingeschaltet (Tr. Abodah Sarah 8). In den ersten Tagen der Erkrankung suchen manche dieselbe geheimzuhalten und trachten danach, daß sie dem Außenstehenden nicht bekannt wird (Tr. Neddarim ebenda), „damit der Freund sich nicht gräme — wie viele sagen — und, was noch mehr, der Feind sich nicht freue/'. Erst wenn die Krankheit nach einigen Tagen nicht gewichen ist und die Abwesenheit des - Kranken im Bethause — der Ostjude kommt in der Regel stets am Morgen und Abend ins Bethaus zum gemeinsamen Gottesdienst — wie auf dem Markt allgemein auffällt und man sich für deren Ursache zu interessieren beginnt, kann die Familie, schon aus den unten zu erörternden Gründen, den weiteren Kreis von Freunden und Bekannten von der traurigen Tatsache ineist nicht mehr in Unkenntnis lassen, wodurch diese schon automatisch und blitzschnell ohne weiteres Zutun in die breiteste Oeffentlichkeit gelangt. Um den Kreis der für die Genesung des Kranken Betenden zu vergrössern und den Gebeten besonderen Nachdruck zu verleihen, wird, zumeist ohne Wissen des Kranken, damit er den Ernst seines Zustands nicht erfahre, durch die Familie veranlasst, dass im Bet-ha-Midrasch bezw. „Klaus" .oder »Stübl" durch die Batlanim Psalmen für den Kranken gesagt werden.

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