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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 229

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
Date
1921-01-01
Page
229 (sequence 18)
Language
German
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Die privatwirtschaftliche Kolonisation In Palästina 229 eine Familie ernähren muß — wie es die Privatwirtschaft lehrt — und die Ausgaben für technische Hilfsmittel ungeheuer sind, so ist man gezwungen — ob man irgendwelche Verpflichtungen auf sich genommen hat oder nicht — billige Arbeit zu suchen und die ausgetretene Dahn zu beschreiten. Auch in dieser Hinsicht bestehen schon Erfahrungen in Erez Israel. Einige Mitglieder der ersten und bis jetzt gelungensten amerikanischen Achusah Porijah sind nach Erez Israel gekommen, sie gehen dieselben Wege, die die benachbarten Kolonisten gehen. Ein Papiervertrag über die jüdische Arbeit kann nur eine schwache Zuversicht gewähren, wenn der Vertragsunterzeichner von Anfang an vor solche Bedingungen gestellt wird, die ihn zwingen, den Vertrag nicht zu erfüllen. Dieses Hilfsmittel ist übrigens nicht neu und hat seine Kraft schon voll bewiesen. In dem Vertrage, den die ICA mit den Kolonisten schloß, stand ausdrücklich geschrieben (Paragraph 3, Abschnitt 2), daß der Kolonist „kein Recht besitzt, die Hilfe der Jahresarbeiter zu benutzen, außer in dem Falle, wenn er klar beweisen wird, daß die Zahl der Arbeitsfähigen in seiner eigenen Familie nicht ausreicht". Und trotzdem ist noch kein Prozeß aus diesem Grunde vorgekommen und jeder ehrenhafte Kolonist hat seine 2—3 Jahresarbeiter, während „Arbeitsfähige seiner eigenen Familie" in Jaffa studieren, nach Amerika wandern, müßig zu Hause herumgehen oder, im besten Falle, selbständige Kolonisten irgendwo in einem anderen Orte sind. Was für einen Wert kann es haben, sich auf die Aufsicht der Bank zu verlassen, wenn Privatwirtschaft und Rentabilität die Prinzipien des ganzen Kolonisationswerkes, also auch der Bank sind? Heutzutage macht die zionistische APC, die ausdrücklich dazu geschaffen wurde, um die Entwicklung der jüdischen Kolonisation zu fördern, alle ihre Geldoperationen nur mit Kolonien, die keine jüdischen Arbeiter beschäftigen, und als in die zionistische Bank jener eigensinnige Kolonist von Petach Tikwah, der Juden beschäftigt, kam, um ein Darlehen zu erbitten, bekam er ganz deutlich zu hören, daß seine Wirtschaft dann rentabler sein und er das Vertrauen verdienen würde, wenn er Araber beschäftigte. Bleibt also nur die Hoffnung auf die zionistische Gesinnung der Achusah-Mitglieder. Wer steht aber in seiner zionistischen Gesinnung so außer Zweifel wie die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees, die Nationalfonds-Direktoren und Kolonialbank-Leiter, und trotzdem betritt kein jüdischer Fuß ihre Gemüse- und Weingärten in Erez Israel. Wer ist auf das Gemeinwohl mit größerer Hingebung bedacht als die philanthropische ICA und Baron Rothschild, und trotzdem werden ganze Flächen des ICA-Bodens ausschließlich von Arabern bearbeitet und in den Gemüsegärten des Barons arbeiten nur 25°/o Juden und auch diese sind billige Jemeniten. Nein! In dem Rahmen der Privatwirtschaft auf der Grundlage der Arbeiterausbeutung gibt es keine Möglichkeit, Erez Israel zum Einwanderungsland für die Juden zu machen. Jeder jüdische Privatunternehmer, der nach Erez Israel als Privatunternehmer kommt, mag er die ehrlichsten Ab-

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