Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 228 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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228 SalmanRubaschow: sie in sozialer wie auch national-politischer Hinsicht zu denselben traurigen Resultaten führen muß, welche die Macht des jüdischen Jischuw schwächen und ihn jeder Bedeutung für die jüdische Einwanderungsmassen berauben. Die Mehrheit der Achusah-Mitglieder, wie wir sie von Karkur, Migdal und Balfouria kennen, sind Leute, deren Geschäfte sie mit dem Ausland verbinden und die garnicht daran denken ins Land zu kommen, geschweige denn .den Boden mit eigenen Händen zu bearbeiten. Die Geschäfte, die sie zu Hause haben und die ihnen die Möglichkeit geben, das Geld in die Achusah hineinzulegen, bringen ohne Zweifel viel mehr Gewinn, als es im besten Falle eine Beteiligung an der Achusah bringen kann. Ausserdem entwickeln sich bei den Leuten solche Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten, die für sie den wirklichen Übergang zur Erdarbeit unmöglich machen. In der Mehrzahl bleiben sie bei sich zu Hause sitzen, in Moskau oder in St. Louis und bestenfalls in einer Stadt von Erez Israel. Der Boden wird durch fremde Arbeiter unter der Verwaltung ihres Vertreters bearbeitet, von welchem sie verlangen müssen, daß „der Versuch gelingt", daß die Rentabilität gesichert wird, daß die Wirtschaftseinkommen für den Arbeitslohn, für Verwalter- und Agronomgehälter, für Wirtschaftsverbesserungen — damit auch die anderen Achusahgenossen kommen können — ausreichen; und die Wirtschaft solle wenigstens einen minimalen Prozentsatz für das eingelegte Kapital tragen. Sonst würde es doch, Gott behüte, heißen, daß es sich nicht lohnte, das Geld in Erez Israel anzulegen, und daß die Zionistengegner Recht hätten. Zu welchen Resultaten aber die Privatwirtschaft in Erez Israel führen muß, wenn sie auf beiden Prinzipien — der fremden Arbeit und der Rentabilität — aufgebaut ist, ist ja bekannt. Wir haben übrigens schon Erfahrungen mit einer solchen Achusah: es ist Migdal, durch die besten und größten Zionisten aufgebaut; der Verwalter ist ein bekannter Zionist, die Herren sitzen im Ausland, haben andere Geschäfte und beziehen aus Migdal gewiß nicht ihren Lebensunterhalt — und müssen die bedeutendsten Teile des Bodens den Arabern verpachten und die übrigen . . . durch Araber bearbeiten lassen. Nur ein kleiner Teil ist an eine Kwuzah verpachtet, die aber ihr Budget vom Waad Hazirim bekommt und eine selbständige Wirtschaft darstellt, die eigentlich mit Migdal nichts zu tun hat. Ein geringer Teil der Achusah-Mitglieder beabsichtigt wirklich nach Erez Israel zu kommen. Es sind kleine Kaufleute und Handwerker, die ihr kleines Vermögen aufgespart haben und es in der Achusah anlegen, in dem Glauben, daß sie damit ihren ehrenhaften Erwerb in Erez Israel gesichert haben. Sie unterstehen aber hier denselben-, Gesetzen, unter welchen die Kolonisten arbeiten. Die Frage der Rentabilität ist für sie nicht nur die Frage des zionistischen Prestiges und der Verzinsung des Kapitals, sondern einfach eine Lebensfrage. Gerade in den ersten Jahren sind die Ausgaben in einem neuen Ort besonders groß; selbst arbeiten können sie nicht; die Ausgaben für ihre Familien sind die des städtischen Standards. Weil jede einzelne Wirtschaft